Gold für gremaud: „frauen-sport muss aufhören, gegen männer gemessen zu werden“

Mathilde Gremaud flog nicht nur hoch, sie flog weg – vom alten Denken. Die 23-jährige Bernerin holte in Norditalien ihre zweite Slopestyle-Goldmedaille, doch das Gespräch danach drehte sich um etwas Größeres: die Selbstbestimmung des Frauensports.

„Ich habe gelernt, mich auch abseits des Sports als Mensch kennenzulernen“, sagte sie Sports Illustrated. „Wer bin ich, wenn ich nicht mehr springe?“ Die Frage klingt weich, ist aber hart gemeint. Gremaud will keine verklärte Heldin sein, sondern eine, die ihre Werte selbst definiert. Erfolg sei für sie längst kein Podest mehr, sondern „die kleinen, persönlichen Siege im Alltag“.

Die gold-falle: warum träume erst spät erlaubt sind

Früher durfte sie nur an Finalteilnahme denken, nie an Gold. „Erst mit der Zeit habe ich mir erlaubt, von Gold zu träumen“, gestand sie. Die Schweizerin erzählt das so leise, dass es laut wird. Denn ihre Geschichte ist ein Spiegel für alle jungen Athletinnen, die sich kleiner machen, bevor sie überhaupt starten.

Gremaud springt seit zwölf Jahren. Sie hat Schultergelenke aus Titangeläut, Knie voller Narben, einen Rücken, der sich bei jedem Windstoß erinnert. Trotzdem sagt sie: „Der Sport gibt mir die Möglichkeit, mich selbst besser zu verstehen.“ Was klingt wie Psychologie, ist Physik: Wer sich im Dreifach-Cork verliert, findet sich selbst.

Getrennte kategorien, getrennte geschichten

Getrennte kategorien, getrennte geschichten

„Frauen im Sport sollten aufhören, ständig mit Männern verglichen zu werden“, forderte sie. Der Satz traf die Reporterin mitten ins Gesicht, weil er so offensichtlich ist. Männer werden „Athleten“ genannt, Frauen „weibliche Athleten“. Männer springen riesige Triple-Corks, Frauen springen „gut für Frauen“. Gremaud hat die Schnauze voll. „Wir sind ein eigener Sport mit eigenen Anforderungen“, sagt sie und wirft damit jede TV-Quote-Entschuldigung über den Zaun.

Die Zahlen liefern ihr Recht: Ihr Sieg-Run in Italien hatte 90,5 Punkte – nur 1,2 weniger als der Sieger im Männerwettbewerb. Der Unterschied: ihre Wertung wurde mit „weiblich“ unterschrieben, seine mit „männlich“. Gleicher Himmel, andere Sprache.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Sponsoren schickten Herz-Emojis, TV-Redaktionen schoben Sendepläne hin und her. Doch Gremaud bleibt cool: „Alles, was ich durch den Sport gelernt habe, wird mir bleiben – egal, was irgendwann kommt.“ Ein Satz, der klingt wie ein Abgesang und wie ein Startschuss zugleich.