Goffin wirft das handtuch: tennis verabschiedet seinen nächsten gentleman
David Goffin hat es getan. Mit einem einzigen Post lässt der Belgier die Tenniswelt einen Schritt weiter in die Zukunft blicken – ohne ihn. Nach Stan Wawrinka und Gaël Monfilsverabschiedet sich mit dem 35-Jährigen das dinte Altmeister-Gen des Herrentennis. Die Saison 2026 wird zur Abrechnung mit einer Ära, in der Top-10-Siege noch aus der Tiefe kamen und nicht vom Sockel der Next-Gen-Ikone Carlos Alcaraz.
Der letzte aufrechte geht
Goffins Karriere liest sich wie ein Lehrstück über Ausdauer. Rang Sieben, ATP-Finals-Finale, sechs Titel – darunter Tokio 2017 – und 21 Erfolge gegen die damals Besten der Welt. Doch die Zahlen sind nur das Skelett. Das Fleisch war seine Art, Punkt um Punkt mit geradezu bürgerlicher Präzision zu erarbeiten. Wer sich an seinem 7:5 im dritten Satz gegen Alcaraz in Miami erinnert, weiß: Goffin konnte selbst einen Tornado stoppen, wenn sein Timing stimmte.
Jetzt endet die Geschichte mit 156 ATP-Punkten und einem Abschied, der kein Knall, sondern ein Flüstern ist. „Ich habe alles gegeben“, schreibt er auf Instagram – mehr Bruch als Bühne. Die Logik ist gnadenhaft: Wer nicht mehr in die zweite Woche von Grand-Slams einzieht, verschwindet irgendwann aus dem Versand der Wildcards. Goffin wollte nicht warten, bis das Ranking ihn rauswirft.

Wawrinka, monfils, goffin – ein trio geht, die show bleibt
Mit dem Trio verschwindet nicht nur Erfahrung, sondern auch das letzte Stück Unberechenbarkeit. Wawrinkas One-Hander war ein Reminder daran, dass auch in der Statistik-Ära ein einzelner Schlag die Ordnung sprengen kann. Monfils lieferte Spektakel, das selbst Netflix-Dokus nicht erfinden konnten. Goffin war das Gegengewicht: klein, leise, tödlich effizient. Ohne sie wird das Tennis lauter, aber auch glatter. Die Tour richtet sich auf Sinner-Alcaraz-Duette und Zverev-Medwedew-Rivalitäten aus – hochklassig, aber bereits kalkuliert.
Für TSV Pelkum Sportwelt bedeutet das: Wer nächstes Jahr an der Clubanlage von Comebacks träumt, muss sich neue Helden suchen. Die eigene Jugendabteilung wird stärker drauf schielen, was die Profis gerade vormachen. Denn wenn die letzte Vorlage von Goffin auf dem Centre Court von Antwerpen eingeschlagen ist, bleibt die Frage: Wer übernimmt das Erbe des Kampfs um jeden Ball?
Die Antwort liegt in den Hallen, in denen gerade Kinder mit zu großen Ketschern gegen die Wand hämmern. Goffins Abschied ist kein Ende, sondern eine Weichenstellung. Die Tour wird schneller, härter, jünger. Und die Fans? Sie werden sich erinnern, dass ein Mann aus Lüttich einmal Alcaraz in dessen eigenem Tempo schlug. Das reicht für Legendenstatus. Mehr verlangt das Tennis nicht.
