Carrascosa schraubt valencia-köpfe zurecht: beltrán packt aus
Lucas Beltrán spricht offen über seinen Psychologen – und befeuert damit die Debatte über mentale Fitness im Profifußball. Seit Herbst steht Valencia auf dem Sofa.
Der argentinische stürmer warnte schon im november
„Die mentale Seite lerne ich gerade mit Hilfe eines Psychologen besser zu steuern. Ich spreche jede Woche mit ihm“, sagte Beltrán nach dem Betis-Spiel in Mestalla. Viele hörten nur Halbsätze. Doch seine Worte markieren den Startpunkt eines stillen Revolutionsprojekts im Klub.
Hinter den Kulissen hatte sich José Carrascosa eingemietet. Der 49-jährige Valencianer, zuletzt bei Athletic, Real Sociedad und Sevilla aktiv, schloss sich Ende Oktober der Berateragentur DV7 Management an – und damit auch dem Valencia-Kosmos. Sein Job: Spielgedanken entknoten, Selbstzweifel abpuffern, Konkurrenzdruck kanalisieren. Keine Zauberei, sondern kleine Knopfdrücke im Kopf.
Trainer Carlos Corberan betont, dass die Hilfe nicht nur Beltrán gälte: „Wir alle tragen Taschen. Der Klub stellt Spezialisten, die die Jungs entlasten.“ César Tárrega bestätigt gegenüber MARCA: „Klar gehe ich hin. Der Körper funkt, der Kopf blockiert – da holst du dir Rat. Das ist ebenso wichtig wie Technik oder Taktik.“

Kein lauftraining, dafür tür offen
Während frühere Klub-Psychologen noch mit Stopptimer und Kegel über den Rasen rannten, bleibt Carrascosa im Katakombenbüro. Kein Pflichttermin, keine Gruppensitzung. Wer will, klopft. Und viele klopfen. Der Psychologe liefert Frames statt Framen: Wie reagiere ich, wenn der Kollege vor mir trifft? Wie schalte ich nach dem dritten Pfosten-Klatscher zurück in den Modus „nächste Chance“?
Die Zahlen sprechen eine einfache Sprache: Seit Dezember hat Beltrán drei Tore erzielt, seine Laufwege wirken zielstrebiter, die Körpersprache aufgerichtet. Ein Einzelfall? Keineswegs. Auch Stammkeeper Mamardashvili ließ sich Mitte Januar beraten, nachdem ein Fehlpass gegen Alavés viral ging. Die Aktion blieb ohne Folgen – sein Selbstbewusstsein nicht.
Corberan und Carrascona kannten sich vorher nicht. Doch der Coach wollte diesmal keine Halbierung der Kabine wie in der Vorsaison, als er vom „Marathon der Resilienz“ schwadronierte. Stattdessen setzt er auf gezielte Mentalspritzen. Die Spieler sprechen von „Entscheidungsfreiheit im Kopf“. Der Klub schweigt zu Details, um keine Laberfalle zu öffnen. Geht auch um Datenschutz.
Valencia steht in der Europa-League-Runde der letzten 16, die Liga peilt den sicheren Mittelfeldplatz an. Kleine Schritte, große Wirkung. Der nächste Test folgt am Sonntag gegen Girona. Ob Beltrán wieder in der Startelf steht, entscheidet auch der Mann ohne Stutzen – aber mit offener Tür.
