Gíslasons jungs müssen nach sieg nun liefern: ägypten fordert revolte
41:38, laut Protokoll ein Erfolg. Doch wer in der Westfalenhalle saß, spürte: Dieser Sieg war ein Bluff. Jetzt, 72 Stunden später, fordert Ägypten die DHB-Auswahl zum Nachlegen heraus – und liefert die erste echte Standortbestimmung vor der WM-Generalprobe.
Warum das rückspiel mehr ist als ein test
Alfred Gíslason baute die Länderspielpause bewusst als Boxkampf mit zwei Runden. Erste Runde: technischer K.o. durch Juri Knorr, zweite Runde: erwarteter Gegenschlag. Die Statistik sprischt eine klare Sprache: 72 Gegentore in zwei Spielen gegen Afrika-Champion – das reicht nicht für Weltspitze. „Wir müssen die Lücken abdichten, sonst wird aus Silber nie Gold“, sagt der Isländer mit der Maschinen-Persönlichkeit, die er selbst so gerne zitiert.
ProSieben springt ins kalte Wasser, zeigt das Handball-Nationalteam erstmals live im Free-TV. Der Deal über 60 Länderspiele kostet die Gruppe rund 25 Millionen Euro – ein Preis, der Druck erzeugt. Sendungsbeginn 14.30 Uhr, Dyn-Micrometer zehn Minuten früher. Wer nicht zahlen will, klickt im Live-Ticker – dort tickt auch die Uhr für Gíslasons Experiment.

Ludwig, der unbekannte riese
Lasse Ludwig hielt mit 23 Jahren, was viele erfahrene Keepers nicht schaffen: Er neutralisierte Ahmed El-Ahmar in Schlüsselszenen. „Ich bin kein Wunder, ich bin ein Sprungbereiter“, sagt der Füchse-Mann und meint: Die Halle war laut, meine Beine waren leicht. Sein Debüt war mehr als PR-Gag – es war ein Beweis, dass der deutsche Torwart-Tank noch nicht leer ist.
Julian Köster sprach vom „Spiel nach dem Spiel“. Gemeint: die Video-Session, in der Gíslason jeden siebenmeterübergang herunterbricht. Bei 38 Gegentoren geht es nicht um Pech, sondern um Muster. Linksaußen-Deckung zu spät, Kreisläufer zu tief – Kleinigkeiten mit großer Wirkung. „Wenn wir das nicht korrigieren, spielt Dänemark uns wieder an die Wand“, warnt Köster und spielt auf den EM-Final-Trauma-Pass an.

Was heute zählt
Die Ägypter kommen mit zwei Verletzten, aber mit Rachedurst. Ihr Coach, Roberto García Parrondo, analysierte 42 Angriffsfehler der Deutschen auf Video – und wird diese Lücken erneut testen. Gíslason kontert mit Rotation: Häfner für Maaß, Pekeler für Böhm – kleine Stellschrauben, große Signalwirkung.
Die Westfalenhalle ist ausverkauft, 11.000 Fans wollen keine erneute Schrecksekunde. Die Parole: 30 Gegentore oder weniger – sonst wird das Comeback zur Farce. Denn 2027 rückt näher, und die fünf Prozent, die Gíslason moniert, entscheiden über Gold oder Silber. Heute zeigt sich, ob die Maschine endlich ölt oder nur laut stottert.
