Aicher verpasst super-g-podest um 0,01 sekunden – shiffrin kann sich schon morgen den gesamtcup sichern

0,01 Sekunden. So viel fehlte Emma Aicher im Super-G von Kvitfjell zum zweiten deutschen Podest innerhalb von 24 Stunden. Kira Weidle-Winkelmann stand zum Jubeln, Aicher musste den vierten Platz verdauen – und Mikaela Shiffrin kann sich schon am Dienstag die große Kristallkugel holen.

Weidle-winkelmann erstmals auf dem podest – aicher sieht sie nur im zielfoto vorbei

Die Zuschauer am Streckenrand hatten kaum Zeit, durchzuatmen. Nach 1:32,41 Minuten flimmerte Kira Weidle-Winkelmann als Dritte über die Zeitmessung, 0,60 Sekunden hinter Siegerin Sofia Goggia. Sekundenbruchteile später raste Aicher mit 1:32,42 Minuten ins Ziel – Platz vier, zehn Weltcup-Punkte weniger, Gesamtrückstand jetzt 45 Zähler.

Die 22-Jährige stemmte die Stöcke in die Luft, grinste kurz, dann wurde sie von der Realität eingeholt. „Ich hab’s gespürt, dass es eng wird“, sagte sie später, „aber auf dem Monitor sieht man nur das Foto – und da war Kira ein Hundertstel vor mir.“

Shiffrin verliert, aber gewinnt – die rechnung ist dennoch simpel

Shiffrin verliert, aber gewinnt – die rechnung ist dennoch simpel

Mikaela Shiffrin musste im Super-G als 21. nicht einmal punkten. Für die 30-Jährige ändert sich nichts: Im Gesamtweltcup führt sie vor den beiden verbleibenden Rennen (Riesenslalom und Slalom in Hafjell) mit 45 Punkten Vorsprung. Reicht Platz acht im morgigen Riesenslalom, ist die Kugel wieder ihre.

Die Amerikanerin wird sich kaum bremsen lassen. In beiden Technik-Disziplinen ist sie die Benchmark, während Aicher im Slalom bestenfalls Zuschauerin ist. „Ich fahre mein Rennen, dann schauen wir“, sagte Aicher trocken. Sie weiß: Die Chance auf die Gesamtkugel ist so groß wie ein Flockenschnee im Mai.

Deutsches speed-duo feiert beste saison seit jahren

Deutsches speed-duo feiert beste saison seit jahren

Weidle-Winkelmanns vierter Podestplatz dieser Saison – erster im Super-G – katapultiert sie in die Top-Ten der Abfahrtswertung. Aicher wurde in der Super-G-Gesamtwertung sogar Dritte, hinter Goggia und Neuseelands Ski-Maschine Alice Robinson. „Zwei Deutsche vorne – das haben wir zuletzt 2014 gesehen“, sagte Bundestrainer Christian Schwaiger. „Die Jungs gucken schon neidisch.“

Dennoch bleibt ein Beigeschmack. Aicher hatte sich nach ihren beiden Silbermedaillen von Cortina mehr erhofft. „Ich wollte angreifen, nicht nur punkten“, sagte sie. Stattdessen spricht die Statistik: Viermal Top-Fünf in den letzten fünf Super-G-Rennen, kein Sieg.

Saisonfinale in hafjell: jetzt zählt nur noch ehrgeiz

Saisonfinale in hafjell: jetzt zählt nur noch ehrgeiz

Am Dienstag folgt der Riesenslalom, am Mittwoch der Slalom. Für Aicher sind es reine Ehrenrunden, für Shiffrin die letzten Schritte zum fünften Gesamtweltcup. „Ich will die Saison mit einem Sieg beenden“, sagte Aicher. „Und wenn es nur der Prestige-Riesenslalom ist.“

Die Kristallkugel dürfte trotzdem nach Amerika reisen. Aicher kann sich mit 22 Jahren aber trösten: Ihre Saison ist längst ein Erfolg – nur eben keiner, der sich in Sekundenbruchteilen messen lässt.