Goggia reißt sich super-g-kristall – aichers kugel rutscht weiter weg
Sofia Goggia hat in Lillehammer zugepackt. Mit einer Attacke, die keine Gnade kannte, raste die Italienerin zum Sieg im Saisonfinale – und damit erstmals zur kleinen Kristallkugel im Super-G. Für Emma Aicher bleibt nur Platz vier, ein Rückstand von 45 Punkten auf Mikaela Shiffrin und das bittere Gefühl, dass die große Kugel jetzt nur noch ein Traum ist.
Goggia feiert historischen dreifach-triumph
110 Stundenkilometer, Spur wechseln, Kurve halten, Nebel im Gesicht, Adrenalin im Blut. Goggia fuhr nicht einfach – sie flog. Drei Zehntel Vorsprung auf Corinne Suter, mehr als eine halbe Sekunde auf Kira Weidle-Winkelmann, die sich mit Rang drei erneut in die Geschichtsbücher schreibt. Die 33-jährige Italienerin hatte schon vier Abfahrtskugeln, nun kommt die fünfte ins Regal – diesmal in Helmgröße Super-G. Ihre Reaktion: Tränen, keine Worte. Erst das Gesicht in den Handschuhen vergraben, dann die Arme in den Himmel. Saisonbilanz: fünf Siege, ein Dompteurinnen-Auftritt.
Weidle-Winkelmann bestätigt ihre Speed-Klasse. Die 31-Jährige holt in Norwegen zum zweiten Mal binnen 24 Stunden Podium – ein Abschluss, der dem DSV-Mini-Speedteam den Stempel „Weltspitze“ aufdrückt. Dreimal Stand sie in diesem Winter ganz oben, zweimal auf dem Treppchen – und das trotz Vorbereitung auf Sparflamme nach Kreuzband-Riss 2022. „Ich wollte nur fahren, was ich kann“, sagte sie. Was sie kann: 1,6 Sekunden schneller als die Konkurrenz, wenn’s drauf ankommt.

Aichers fehler kostet gold – und vielleicht die große kugel
Emma Aicher startete frisch, griff früher als alle anderen in die Kurve, lag vorn – bis die Olympiabakken sie erneut rächte. Gleiche Passage wie gestern, gleicher Fehler: Linie zu direkt, Tempo zu hoch, Ski kippen weg, Zeit verpufft. 0,42 Sekunden fehlten am Ende auf Goggia, 45 Punkte auf Shiffrin im Gesamtweltcup. Die US-Amerikanerin verpasste den Super-G, sammelte null Zähler, bleibt aber vorn – weil Aicher nicht zulegte. Slalom und Riesenslalom stehen noch aus, Shiffrins Paradedisziplinen. Die Rechnung ist simpel: Aicher muss gewinnen, Shiffrin nur mittelfeldreich fahren. Für die 22-jährige Baden-Württembergerin wird es eng.
Ilka Štuhec nahm Abschied. Die Slowenin fuhr 252 Weltcuprennen, gewann elf, zweimal wurde sie Weltmeisterin in der Abfahrt. Nach dem Ziel ließ sie sich in den Schnee fallen, ließ Sektduschen regnen, Tränen mitlaufen. Ihre Karriere endet wie begonnen: mit Vollgas, ohne Netz.
