Gislason wirft den dhb vor: jetzt sind sie dran

Alfred Gislason hat den Ball in den DHB-Chefetagen platziert – und wartet. „Letztendlich müssen die entscheiden“, sagt der 66-jährige Island-Import, der seit 2020 die deutsche Handball-Nationalmannschaft coacht. Drei Monate vor dem Ende seines Vertrags nach der Heim-WM 2027 macht er klar: Er will weitermachen, aber er bettelt nicht. Die Botschaft ist so klar wie ein Siebenmeter gegen Keeper Johannes Bitter: Wer ihn loswerden will, muss ihn feuern.

Silber ist kein abschiedsgeschenk

Die EM-Medaille im Januar war kein Schlussakkord, sondern ein Ausrufezeichen. Olympia-Silber 2024, EM-Silber 2026 – das sind die Argumente, mit denen Gislason ins Verhandlungszimmer geht. Doch die DHB-Bosse schweigen. Stattdessen testet der Isländer gegen Ägypten, als wäre nichts. 14 EM-Helden sind dabei, nur Andreas Wolff fehlt – erkrankt, kein Statement. Dahinter steckt ein System: Kontinuität als Geheimwaffe. „Wir passen nur Nuancen an“, sagt Gislason. Gemeint: Wir sind fertig, wir müssen nur reifen.

Die Zahlen sprechen für ihn. Sechs Turniere, zwei Podestplätze – das ist mehr, als die Vorgänger in zwölf Jahren schafften. Trotzdem steht der Verband vor der Frage: Nochmal Gislason oder frisches Blut? Die Antwort kommt nicht von ihm. „Ich werde diese Entscheidung akzeptieren“, sagt er – und meint: Ich bin bereit, aber ich renne nicht hinterher.

Ein trainer, der nicht in rente will

Ein trainer, der nicht in rente will

Gislasons größter Trumpf ist seine eigene Unersättlichkeit. „Ich werde nicht mit Handball aufhören, solange ich den Glauben habe, etwas geben zu können.“ Das klingt nach Kampfansage an jeden, der glaubt, mit 66 sei Schluss. Er selbst sagt: „Das hilft.“ Gemeint: Der Glaube daran, dass er die Mannschaft noch einen Schritt weiterbringt – über das EM-Silber hinaus, direkt ins Gold.

Die Uhr tickt. 300 Tage bis zum WM-Auftakt in Deutschland. Gislason hat seinen Kader benannt, seine Taktik steht, seine Haltung auch. Wer jetzt zögert, verliert. Denn der Isländer wird nicht warten, bis der DHB sich entscheidet. Er wird weitermachen – mit oder ohne Schwarz-Rot-Gold.

Die Entscheidung liegt beim Deutschen Handball-Bund. Aber die Macht hat längst der Trainer. Denn wer so viel Silber sammelt, der muss nicht betteln. Er muss nur abwarten – und weitermachen.