Juve baut tor-revolution vor: perin spielt sich warm, dann räumt die ganze garde

Udine war kein Auswärtsspiel, es war das Startsignal für die größte Torwart-Rochade seit Jahren. Nach der vierten Bank-Strafe in Folge für Michele Di Gregorio wird Mattia Perin bis Mai die Nummer eins bleiben – danach steht Juventus vor einem Komplett-Umbruch, der nur einen sicheren Gewinner kennt: Carlo Pinsoglio, Drittorwart und lebende Legende, darf auch 2026 noch seine Kaffeetasse im Trainingszentrum abstellen.

Perin nutzt die chance, die er nie wollte

Der 33-Jährige aus La Spezia hatte sich im Sommer und erneut im Januar nach Genoa zurücksehnen wollen. Die Hand-OP verzögerte alles, die Ablöseforderung der Juve stoppte den Deal. Jetzt hält er dank Di Gregorios Form-Tief die Kiste sauber und weiß: Spielt er stark, wird er im Juni wieder gefragt werden – nur nicht von Turin. Serie-A-Klubs wie Torino und Monza brauchen erfahrene Nummer-eins-Profile, Perin will seine letzte Hauptrolle. Die Juve wird ihn ziehen lassen, verlangt aber eine symbolische Ablöse, um die Gehaltstufe von 1,8 Mio. Euro zu senken.

Di Gregorio dagegen ist schon abgestempelt. Die 11-Millionen-Buchwert-Last wirkt wie ein Klotz am Bein, doch Inter und Napoli haben scouts gewarnt: Der 26-Jährige wirkt inzwischen, als hätte er das Spiel ein paar Sekunden verspätet auf dem Monitor. Eine Leihe plus Kaufoption könnte die Minusvalenza verhindern, die Bilanz muss bis 30. Juni saniert werden.

Alisson bis audero: die einkaufsliste wird länger als der fluss po

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Sportdirektor Cristiano Giuntoli hat das Feld telefonisch abgesteckt. Für die Rolle des unumstrittenen Stammtorsmanns gilt Alisson Becker weiterhin als Traum, doch die Vertragsverlängerung beim FC Liverpool bis 2027 macht die Klause so kompliziert wie ein Steuergesetz. Die Alternativen sind europäisch bodenständiger: Guglielmo Vicario (Tottenham) hat zwar Inter-Maild bereits die Hand auf die Schulter gelegt, doch die Ablöse liegt bei realistischen 25 Mio. Euro. Marco Carnesecchi von Atalanta bleibt die heimliche Wunschlösung, weil er italienisch ist und die Champions-League-Liste nicht belastet.

Für den zweiten Rang sind keine Reservisten gesucht, sondern gestandene Serie-A-Helden. Ivan Provedel (Lazio) könnte wegen der Konkurrenz durch Christos Mandas abgegeben werden, sein Marktwert: acht Mio. Lorenzo Montipò (Hellas Verona) ist mit 28 Jahren im Torwart-Alter, in dem Reflexe und Übersicht sich die Waage halten. Emil Audero, einst Juve-Youngster, spielt jetzt in Cremonese mit einem Gehalt, das sich die Alte Dame als Backup leisten kann – und er würde das Heim-Coming-Club-Gesetz erfüllen, das bei UEFA-Listen Gold wert ist.

Die Rechnung ist gnadenlos: Gehen Perin und Di Gregorio, muss Juventus mindestens zwei neue Gesichter und eine Leihe einplanen. Investitionssumme: zwischen 35 und 50 Mio. Euro. Die Erlöse aus möglichen Verkäufen: maximal 20 Mio. Die Lücke stopft die Agnelli-Familie nur, wenn das Team wieder Champions-League-Gelder kassiert. Sonst bleibt die Tür offen für einen radikalen Jugend-Schritt: Joseph Nonge (19) aus der U23 könnte als dritter Mann hochgezogen werden – ein Szenario, das die Curva Süd eher als Provokation denn als Lösung begreifen würde.

Am Ende zählt ein Satz, den Luciano Spalletti vor dem Flug nach Udine murmelte: „Wenn der Torwart ruhig ist, schläft das ganze Stadion ruhig.“ Bis Mai muss Perin für diesen Schlaf sorgen. Danach wird Turin wieder wach – und die Revolution startet mit dem ersten Sommertransfer, der längst beschlossen ist, nur noch nicht verkündet.