Gislason schwärmt vom norden: „die clubs liefern mir das deutsche gerüst“

Alfred Gislason musste nach dem 35:28 gegen Ägypten nur eine Frage beantworten, um zu strahlen: Was bedeuten ihm die Nord-Klubs? Der Bundestrainer lehnte sich zurück, zückte keine Notiz, sondern pures Lob: „Die vier Vereine sichern mir die Zukunft der Nationalmannschaft.“

Flensburg und kil liefern stammkräfte, hamburg und hannover den rohdiamanten

SG Flensburg-Handewitt (Tabellendritter) und THW Kiel (Vierter) stellen mit Johannes Golla und Marko Grgic zwei Fixpfeiler der EM-Startformation. Doch Gislason schaut weiter. „Mir geht’s um die nächste Schicht“, sagt er und zählt auf: Renars Uscins (21, TSV Hannover-Burgdorf), Leif Tissier (20, erst vor drei Monaten vom HSV Hamburg nach Hannover gewandert) und Moritz Sauter (19, HSV) – alle drei stehen kurz vor dem Durchbruch in der A-Nationalmannschaft.

Der Isländer kennt die Zahlen. In den aktuellen Kadern der U-19 und U-21 tummeln sich 14 Spieler aus dem Norden, neun davon aus den vier Bundesligaclubs. „Keine Akademie, kein Zentrum, einfach klubeigene Philosophie“, sagt Gislason. Gemeint ist: Kein Scheuen vor Einsatzzeiten für 18-Jährige, wenn die Leistung stimmt. Beispiel Rasmus Ankermann: Beim THW Kiel vor zwei Jahren noch Zweitliga-Debüt, heute Lehrgast in der A-Nationalmannschaft.

Hsv und hannover erfinden sich neu – und gislason profitiert

Hsv und hannover erfinden sich neu – und gislason profitiert

Hamburg war jahrelang das Sprungbrett für internationale Stars. Jetzt setzt Sportdirektor „Mut auf Deutsch“, wie er es nennt: Sauter und Botta (17 Bundesligaspiele, Jahrgang 2006) bekommen Verträge bis 2027. Hannover wiederum zog mit Uscins und Just Fischer zwei Spieler an die Recken, die vorher in Berlin und Leipzig nur die Tribüne sahen. Ergebnis: vier Debütanten in der Nationalelf seit 2022 – alles Norden-Produkte.

Die Konkurrenz aus Süd und West? Die Rede fällt auf Bayerns Youngster oder die Rhein-Neckar-Jungs, doch Gislason schüttelt den Kopf: „Dort wird noch gezögert.“ Im Norden wird gespielt. Und das merkt der Coach, der 2025 mit neun Feldspielern planen will, die regelmäßig Champions-League-Minuten sammeln. Sieben davon tragen gerade Flensburg- oder Kiel-Trikots.

Für den THW folgt am Sonntag das Topspiel gegen Stuttgart, Flensburg gastiert in Berlin. Gislason wird live dabei sein – nicht als Zuschauer, sondern als Scout. „Jeder Ballkontakt zählt für mich.“ Denn wer im Norden besteht, hat gute Karten auf einen Platz im Kader für die Heim-WM 2025. Die Botschaft ist klar: Ohne Norden, keine deutsche Handball-Zukunft.