Arosa schläft nicht: warmbrodt-poker stoppt den exodus
Die Bündner wüten. Während neun Spieler den EHC Arosa verlassen, reagiert der Club mit einem Transfer-Coup: Nicolas Warmbrodt wechselt aus der Swiss League und soll die defensive Ruine in eine Festung verwandeln.
Die bilanz des 23-jährigen liest sich wie ein lehrbuch
133 Einsätze in der zweithöchsten Liga, 12 Punkte in 45 Spielen für Winterthur, dazu ein Körper von 1,90 m, der Gegner wegräumt statt zu umspielen. Warmbrodt ist kein Projekt, er ist Fertigprodukt – und genau das braucht Arosa nach dem Massenabschied.
Die Zahlen sind brutal: Neun Profis raus, darunter Leistungsträger. Die Kabine ist entkernt, die Stimmung am Boden. Doch statt zu jammern, schlägt Sportchef Sandro Bertaggia zurück. „Wir haben nicht vor, zu versinken“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Warmbrodt steht für Präsenz, für harte Arbeit, für das, was wir in den vergangenen Wochen vermissen mussten.“

Die ausbildung beim ehc biel zahlt sich jetzt aus
Da wurde nicht nur Technik geschliffen, sondern auch Charakter. Warmbrodt durchlief alle Nachwuchsstufen, lernte, dass Defensive kein Schönheitspreis ist, sondern Handwerk. Genau dieses Mindset will Trainer Jeff Tomlinson in die jungen Nachwuchsspieler implantiert bekommen. „Er spricht kein viel, aber wenn er redet, hören alle zu“, sagt Tomlinst über seinen Neuzugang.
Die Fans sind zwiegespalten. Auf Twitter feiern einige den „First-Class-Deal“, andere fragen: „Einer rettet neun?“ Die Antwort liegt in der Spielweise. Warmbrodt ist kein Spektakelspieler, er ist die Mauer, vor der die Stars tanzen können. In Arosa wird er neben Captain Eric Wüest spielen, der als letzter erfahrener Abwehrspieler geblieben ist. Gemeinsam sollen sie die Räume verengen, die in der Vorsaison noch klafften wie Abgründe.
Die Saisonvorbereitung beginnt in 78 Tagen. Warmbrodt ist schon da, stapft über den gefrorenen Parkplatz vor der Eishalle, stellt sich vor die Analyse-Bilder. „Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden“, sagt er knapp. „Ich bin hier, um Spiele zu gewinnen.“
Die Bündner haben ihren Rückschlag. Die Defensive steht, der Kaderplan rollt. Wer jetzt noch von Chaos spricht, hat die Rechnung ohne Warmbrodt gemacht.
