Atlético-madrid: munuera montero entzweit das derby
Im Bernabéu pfiff er, und im Campo de los Rojiblancos spricht man nur noch über ihn. Munuera Montero, der Schiri, der das Derby nicht nur mit Karten, sondern mit einer Geschichte versiegelte, die Atlético seit Wochen mit sich herumträgt.
Die szene, die niemals ein penalty wurde
Carvajal stemmt Llorente in den Strafraum. Kein Pfiff. Keine 12-Meter-Fahne. Stattdessen: Protest, Gespräche, ein Kapitän – Koke –, der die Lippen fest zusammenpresst, weil er weiß, dass jede weitere Tirade nur die Gelbe folgen würde. Die Zahlen danach: Atlético zwei Freistöße, Madrid 15. Die erste Rote für die Colchoneros, die zweite in dieser Saison nach einer Var-Reprüfung. Die Statistik lügt nicht, sie zählt nur.
Die Wut wächst nicht nur wegen des Ergebnisses. Sie wächst, weil der Klub Monteros Vorgeschichte kennt. Vor zwei Jahren kursierte ein Foto, das den Referee in einem angeblichen Atlético-Trikot zeigte. Falsch, schnell dementiert, doch die Karikatur blieb. Seitdem gilt er in der Ciudad Deportiva als „gezeichnet“. Madrid hatte ihn mehrfach wegen „vieler Fehlentscheidungen“ kritisiert. Atlético ahnte: Wenn er kommt, bringt er seine eigene Wolke mit.

Die interne anweisung: schweigen
Simeone verbietet seinen Spielern, den Referee zu erwähnen. „Wir sprechen über Fußball, nicht über Fehler“, sagt er nach der Partie, während hinter ihm Cardoso, der Teamsprecher, mit der Presse redet und doch ins Fettnäpfcin tritt: „Einige Entscheidungen waren schwer nachvollziehbar.“ Die Lautstärke steigt. Die Vereinsspitze reicht eine formelle Beschwerde ein – nicht wegen einer einzelnen Szene, sondern wegen des Musters.
Montero pfeift 38 Derbys in der Primera División. Kein anderer spanischer Unparteiischer hatte in den letzten fünf Jahren mehr Gelb-Rot-Entscheidungen gegen Atlético. Die Datenbank der Liga zeigt: Bei seinen Einsätzen kassiert Atlético im Schnitt 2,4 Gelbe, Madrid nur 1,6. Kleine Zahlen, große Wirkung.

Derby-fieber mit nachspiel
Die Liga leitet keine Untersuchung ein, aber die Stimmung bleibt. Am Trainingstag danach übt Atlético Standards. Llorente schlägt den Ball ans Lattenkreuz. „Nächstes Mal vielleicht Pfiff?“, ruft ein Teamkollege. Die Antwort: Gelächter, das bittere. Weil jeder weiß, dass die nächste Begegnung mit Montero irgendwann kommt – und dass die Geschichte dann wieder von vorn beginnt.
Atlético reist nach Sevilla, Madrid nach Bilbao. Die Tabelle trennt beide nur zwei Punkte. Die Emotionen aber liegen Monate zurück und werden die Saison begleiten wie ein Schatten, der sich nicht abschütteln lässt.
