Gislason bleibt? die stars schweigen, der druck wächst

Alfred Gislason würde gern weitermachen, der DHB prüft, und die Spieler? Halten sich bedeckt. Julian Köster nennt den Umbruch „super“, verweigert aber ein klares Ja. Johannes Golla sagt gar nichts. Die Heim-WM 2027 rückt näher – und mit ihr die Frage, ob der Verband ohne öffentliche Rückendeckung verlängert.

Der prozess läuft, die kapitäne ducken sich

Ingo Meckes hat den Zeitplan genannt: spätestens vor dem Turnier in Deutschland soll klar sein, wer die Nationalmannschaft betreut. Gislason selbst hat signalisiert, er stelle sich eine Verlängerung vor. Domains, Sponsoren, Fans – alle warten auf ein Bekenntnis. Stattdessen kommt aus der Kabine nur Betontaktik. Köster, 23, frisch an die Startelf herangeführt, formuliert höflich: „Am Ende ist es nicht meine Aufgabe, das zu entscheiden.“ Das klingt nach Respekt, ist aber auch Ausdruck von Konturenlosigkeit.

Die Statistik spricht für Gislason: seit seinem Amtsantritt hat die DHB-Auswahl die Quote der Siege gegen Top-15-Teams von 42 auf 61 Prozent erhöht, Luca Witzke und Renars Uščins wurden zu Leistungsträgern geformt. Dennoch: ein Erfolgscoach ohne lautstarke Lobby. Anders als bei Prokop oder auch Dagur Sigurðsson hören sich die Statements der Leistungsträger an, als würden sie eine Pressekonferenz nach dem Pokal-Achtelfinale geben – vorsichtig, lauwarm, emotionsarm.

Warum keiner den kopf hinhält

Warum keiner den kopf hinhält

Grund Nummer eins: der Generationenwechsel ist nicht abgeschlossen. Golla, Andreas Wolff und Juri Knorr bilden eine Gruppe, die intern Kritik äußert, aber nicht öffentlich Streit vom Zaun bricht. Wer sich jetzt festlegt, muss sich fragen, ob er in zwei Jahren noch dabei ist. Grund Nummer zwei: die Machtfrage. Seit der EM-Pleite 2022 hat der DHB intern mehr Transparezlinien eingeführt, Spielerrat und Sportdirektor besetzen ein Kontrollgremium. Die Spieler wissen: Ihr Wort zählt – aber nur im geschlossenen Raum.

Und so steht Gislason da: mit einer Bilanz, die besser ist als seine PR. Die Fans diskutieren auf Twitter über #GislaWeiter, der Verband testet Stimmung bei Sponsoren, die Medien fahnden nach Zitaten. Die aber bleiben schuldig. Stattdessen heißt es: „Wir konzentrieren uns auf Ägypten, auf den World-Cup-Test und dann auf die WM.“ Das ist kein Nein – aber auch kein Ja. Und die Uhr tickt.

Die Entscheidung liegt laut Satzung beim Präsidium. Doch ohne öffentliche Rückendeckung verliert Gislasonic an Rückgrat. Wenn selbst der Kapitän nicht einmal ein Satz des Vertrauens produziert, wird die Vertragsverlängerung zur reinen Verbandslogik: Fortsetzung aus Stabilität, nicht aus Überzeugung. Die Heim-WM wird zur Zerreißprobe – nicht nur für das Team, sondern auch für den Coach, der lieber von Taktik als von Zukunft redet. In sieben Monaten wissen wir mehr. Bis dahin schweigt, wer laut sein müsste.