Gidsel zerreißt erlangen: 45-tore-feuerwerk mit makel

Die Füchse haben die Handball-Bundesliga wieder zur Schießbude erklärt. 45:29 gegen Erlangen – ein Rekord, der brennt. Doch hinter den Zahlen lauert ein Stachel.

Die offensive lief, die abwehr blutete

Mathias Gidsel traf elfmal, warf sich durch jeden Winkel, kassierte trotzdem noch Ohrfeigen. „Wir haben 29 Gegentore kassiert – das ist zu viel für Titelträume“, sagt der Däne, während ihm der Schweiß von der Stirn tropft. Sein Blick geht nicht zur Galerie, sondern direkt in die Kamera. Er redet nicht um den heißen Brei herum. Die Berliner Defensive wirkte in den ersten zehn Minuten wie ein Sieb, ließ den HC drei Mal allein auf Milosavljev zulaufen. Der Torwart hielt 17 Bälle, rettete seine Vorderleute vor sich selbst.

Dennoch: Die Zahlen lügen nicht. 45 Treffer – das ist der höchste Füchse-Wert seit der Einführung der neuen Spielzeit. Lasse Andersson verwandelte siebenmal aus dem Rückraum, Nils Lichtlein jagte den Ball per Tempogegenstoß ins Netz, als hätte er einen Düsenantrieb. Die HCE-Deckung stand oft nur noch hinterher, schaute den Ball hinterher wie ein Hund, der sein Frisbee verfehlt hat.

Der ehrentreffer für erlangen war ein schlag ins gesicht

Der ehrentreffer für erlangen war ein schlag ins gesicht

Bei 42:26 war die Partie längst entschieden, doch Berlin ließ nicht locker. Coach Jaron Siewert schrie von der Bank: „Weiterlaufen!“ Die Anweisung kam nicht von der Marketing-Abteilung, sondern von der Taktik-Tafel. Denn jedes Tor zählt für das Torverhältnis, das könnte am Ende über Meister oder Vize entscheiden. Die Füchse haben jetzt plus 83, kein anderes Team kommt auch nur in die Nähe. Das ist kein Schönrechnen, das ist Kalenderblatt-Realität.

Die Erlanger mischen mit: Sie warfen selbst 29 Mal, mehr als in jedem ihrer letzten fünf Spiele. Trainer Michael Haaß klang nach dem Schlusspfiff wie ein Boxer, der weiß, dass er zwar K.o. ging, aber ordentlich zugeschlagen hat: „Wir haben mitgehalten, bis die Maschine überdreht hat.“

Nationalpause? gidsel lacht und packt schon den koffer

Nationalpause? gidsel lacht und packt schon den koffer

Während einige Berliner Erholung tanken, fliegt Gidsel zur Nationalmannschaft. „Ich brauche kein Urlaubsparadies, ich habe Dänemark“, sagt er grinsend. Die nächste Last führt nachMagdeburg. Dort wartet der SCM, Tabellenzweiter, mit der besten Abwehr der Liga. „Dann zeigen wir, ob 29 Gegentore ein Ausrutscher waren“, wirft Milosavljev ein. Der Serbe spricht leise, aber seine Handschuhe knirschen schon.

45 Tore sind eine Ansage. 29 Gegentore eine Warnung. Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden, aber Berlin hat lautstark angeklopft. Und Gidsel? Der steht schon wieder in der Startlöchern. Er will nicht nur Tore schießen, sondern Titel einpacken. Die Uhr tickt. In 14 Spielen ist Schluss. Dann zählt nur noch, wer die Trophäe in der Hand hält.