Gidsel enthüllt: so bekämpft der weltstar den inneren saboteur

Mathias Gidsel spielt Handball, als wäre es ein Kinderspiel – aber in seinem Kopf tobt ein Krieg. Der dänische Weltmeister packt in seiner Kolumne „The Gidsel Circle“ aus, warum der größte Gegner im Final Four nicht der Rückraum des Gegners ist, sondern die zweite Stimme im eigenen Kopf.

Die zwei seelen in gidsels hirn

„Der eine ist der Spieler. Der die Lücke sieht, bevor er darüber nachdenkt. Der denkt nicht. Er handelt.“ Mit diesen Worten beschreibt Gidsel den Automatismus, der ihn zum besten Rechtsaußen der Welt macht. Doch genau in diesem Moment schläft der andere bereits. „Der andere beobachtet. Kommentiert. Sagt ‚Vergib diesen Wurf nicht‘, bevor der Ball meine Hand verlassen hat.“ Diese Stimme ist der leise Tod jeder Bewegung, der kleine Terrorist, der aus einer 100-km/h-Aktion eine Zitterpartie macht.

Das Lidl Final4 in Köln war dafür der perfekte Prüfstein. 24 Stunden zwischen Halbfinale gegen Lemgo und Finale gegen Bergischer HC. Der Körper? „Der hat dieses Spiel tausendmal gespielt“, schreibt Gidsel. Der Kopf dagegen schreit nach Sauerstoff. „Druck ist das entscheidende Element. Nicht die Fitness, nicht die Taktik – nur der Kopf.“

Die lösung ist keine, sondern ein prozess

Die lösung ist keine, sondern ein prozess

Gidsel lügt nicht. Er behauptet nicht, das Rätsel gelöst zu haben. Stattdessen präsentiert er eine Alltagstaktik, die jeder Hobbyspieler sofort kopieren kann: „Ich mache die Welt klein. Ein Ball. Ein Pass. Ein Atemzug.“ In dem Moment, wenn die zweite Stimne anfängt zu reden, reduziert er das Spielfeld auf die Größe einer Parkplatzzelle. Keine Gedanken an das Ergebnis, keine Angst vor dem Fehler – nur noch Handball-Basiscode.

Diese Einstellung wird am Mittwoch erneut auf dem Prüfstand stehen. Die Füchse Berlin empfangen nach der 34:35-Auswärtsniederlage Veszprém in der Champions League. Wer gewinnt, fährt zum Final4 nach Köln – genau jenes Turnier, das Gidsel lehrte, dass der größte Sieg nicht auf der Anzeigetafel steht, sondern zwischen den Ohren.

Die Lehre des Wochenendes ist deshalb kein Motivationsspruch, sondern ein Befreiungsschlag. „Je mehr ich versuche, das Spiel zu kontrollieren, desto mehr entgleitet es mir. Je mehr ich einfach spiele, desto leichter wird es.“ Wer diese Zeile versteht, versteht auch, warum Gidsel selbst in der Klinkephase noch lächeln kann. Der Weltstar hat kein Druckproblem – er hat ein Kontrollproblem. Und er arbeitet daran, sich selbst aus dem Weg zu gehen.