Gian-marco wetter: der unsichtbare lakai, der fribourg die stiefel poliert

Die Scheinwerfer glühen für die Stars, doch der Mann, der die SC Rapperswil-Jona Lakers am Leben hält, schlüpft unerkannt durch die Kanäle der Swiss League. Gian-Marco Wetter – ein Name, der selbst in der eigenen Halle nur gedämpft hallt – zerlegt gerade die Budgetriesen des HC Fribourg-Gottéron.

Die playoff-geisterbahn, die nur er sieht

Während die Kameras auf die Import-Torjäger zoomen, räumt Wetter das Feld. Zweikampfquote 71 % in der neutralen Zone, davon 83 % zwischen den Bluelines – Zahlen, die das Analytics-Team intern als „Kategoriewechsel“ einstuft. „Er schiebt die Gegner in die Hot-Zone, aus der sie nur noch mit Schuss rauskommen“, sagt ein Video-Coach, der anonym bleiben will. „Danach ist Fribourg Schach matt.“

In Spiel 2 klebte Wetter an den Füssen von Chris DiDomenico, der danach sagte: „Ich dachte, mein Schatten hätte sich verselbstständigt.“ Der Center ging mit 0 Scoring Chances aus 14 Minuten gegen Wetter vom Eis. Die Crowd jubelte dem Import zu, weil sie nicht merkte, wer ihn lahmgelegt hatte.

Gehaltsliste 27 – wertschöpfung top 3

Gehaltsliste 27 – wertschöpfung top 3

Wetter verdient laut Swiss Ice Hockey Federation 190.000 Franken Brutto. Das ist 17 % des Medians seiner Reihenkollegen. Die MySports-Tabelle „Goals Saved Above Average“ listet ihn aber auf Platz 3 aller NL-Forwards. Agenten lachen mittlerweile über den Vergleich mit Timo Meier, der in diesem Playoff-Duell 1,2 Millionen pro Tor kostet, Wetter 23.750 pro defensive stop.

„Wenn ich ihm den Vertrag neu verhandeln würde, stünde heute eine 1 vor dem Komma“, sagt Ueli Schwarz im Studio – halb Spaß, halb Marktrealität. Die Lakers-Führung schweigt. Sponsoren wollen keine Bottom-Six-Werbung, sie wollen Gesichter. Wetter trägt kein Hipster-Bart, keine Goldkette, nur ein vom Schlittschuh zerrissenes Trikot.

Die 53 sekunden, die rapperswil retten

Die 53 sekunden, die rapperswil retten

Beim 3:2 in der Verlängerung von Spiel 3 blockierte Wetter zweimal hintereinander den Querpass auf Ronan Quemener, sprintete 40 Meter, schoss selbst – Rebound, Gegentor verhindert, Wechsel, Coaching-Staff atmet durch. Die Sequenz dauerte 53 Sekunden, ohne dass ein Kommentator seinen Namen aussprach. Die Analysten später: „Zufall.“ Das Video-Team speicherte die Aktion unter „Lernmaterial für Nachwuchs“.

Die Lakers stehen eine Runde vor dem Halbfinale, weil ihre vierte Reihe mehr High-Danger-Corsi generiert als die erste von Fribourg. Der Grund: Wetter verlagert das Spiel in eine Zone, in der niemand ihn sieht – außer der Gegner, der plötzlich den Puck verliert.

Am Freitag ist Heimspiel. Die Arena wird wieder „Let’s go Lakers“ brüllen, während Wetter zwischen den Bluelines verschwindet. Die Lohnliste wird ihn hinten lassen, die Statistik nicht. Irgendwann wird ein Scout aufwachen und 700.000 auf den Tisch legen. Bis dahin schält er weiter die Grossverdiener, eins Ablöse nach dem anderen.