Getafe baut sein stadion um: neues coliseum wächst sichtbar aus dem boden
Der FC Getafe hat die erste Bauphase seines neuen Coliseum abgeschlossen: Die Südtribüne steht, die Pfeiler ragen bereits in den Madrider Himmel, und die Abbruchbirnen haben im Norden begonnen zu hämmern. Das Vereinsvideo, das die Werftarbeiten von Amenábar dokumentiert, zeigt ein Stadion im Umbruch – und einen Klub, der endlich Identität statt Beton wagen will.
Ein jahr voller spieltage und bagger
Eduardo Ibeas, Bauleiter bei Amenábar, spricht im Helm vor laufender Kamera. Kein PR-Sprech, sondern Zahlen und Termine. „Die Fertigteile sind sichtbar“, sagt er, während die Kamera über die Stahlskelette der Südtribüne schwenkt. 28 Pfeiler stehen bereits, nur an den Ecken fehlen noch Verbindungen. Das war die erste Baustelle, die im Sommer 2023 öffnete. Nun folgt das Nordtor – dort haben Abrissbirnen die obere Ringebene bereits entfernt. „Jeder Spieltag ist eine neue Baustelle“, sagt Ibeas. „Wir bauen für 90 Minuten, dann wird umgerüstet.“
Die Liga erlaubt nur Lücken. Zwielichtige Nächste, in denen Betonmischer anrollen, wenn die Fans nach Hause fahren. Javier Mora, technischer Direktor des Projekts, nennt das Motiv: „Wir wollen die Leute ans Spiel heranholen.“ Kein einzelner Sitz mehr 40 Meter vom Rasen entfernt. Das neue Coliseum soll wie San Mamés in Bilbao eine textile Fassade erhalten – leuchtend, beweglich, stadtbezogen. Getafe war nie glamourös; nun soll es wenigstens sichtbar werden.
Die Zahlen dahinter: 15.000 Plätze bleiben, aber 3.000 neue Kurveplätze rücken bis auf 7 Meter an den Spielfeldrand heran. Die bisherige Laufbahn hinter dem Tor verschwindet. Dafür entsteht eine Stehplatztribüne, die sich bei Europapokalspielen in Sitzblöcke verwandeln lässt. UEFA-Norm, Kostenpunkt: 52 Millionen Euro, finanziert über eine Mischung aus Stadionverkauf-Altes, Bankkrediten und einem Namensrechte-Deal, den der Klub noch nicht verkündet.

Der wahre gegner ist der kalender
Die Saison 2024/25 wird auf der Baustelle gespielt. „Jedes Mal, wenn LaLiga einen Termin verschiebt, verschiebt sich unine Rüttelplatte“, sagt Ibeas. Der Verein hat bereits 42 Sondergenehmigungen beantragt: für Nachtarbeit, für Lärmschutz, für provisorische Zugänge. Ein Spieltag kostet zusätzlich 120.000 Euro Sicherheitsaufwand – nur, damit die Baggerpause machen.
Die Fans sind zwiegespalten. Die Ultras der Südkurve feiern die Nähe, aber die Familien auf der Gegenseite fürchten Preiserhöhungen. Dauerkarten sollen 18 % teurer werden, Parkplätze fallen weg. Das neue Coliseum wird schöner, lauter, enger – und teurer. Für einen Stadtteil, in dem die durchschnittliche Nettomiete bei 1.100 Euro liegt, ist das kein Nebenschauplatz.
Doch der Klub rechnet sich einen Vorteil aus: Die textile Fassade kann Werbeflächen tragen, die sich je nach Gegner verändern. Spanien flaggt gegen Sevilla, ein Technologieunternehmen leuchtet bei Clásicos. Dynamische Preise, dynamisches Stadion. Getafe will sich aus der Grauzone der Vorstadtklubs befreien.
Am 18. August rollt der Ball wieder, dann gegen Athletic Bilbao. Die Südtribüne wird halb fertig sein, die Nordkurve eine Baustelle. 12.500 Fans passen vorläufig, dafür sehen sie endlich das Tor aus 15 Metern Nähe. „Wenn die erste Kurve steht, werden sie verstehen“, sagt Mora. „Stadion ist nicht nur ein Ort, sondern ein Statement.“
Die Uhr tickt. In 14 Monaten soll alles fertig sein – rechtzeitig zur Saison 2025/26. Bis dahin müssen 312 Betonfertigteile montiert, 1.100 Tonnen Stahl verbaut und 22 Kilometer Kabel verlegt werden. Die Fans werden jeden Fortschritt sehen, weil sie Teil der Baustelle sind. Getafe baut nicht nur ein Stadion, sondern eine neue Heimat. Ob sie sich die leisten können, entscheidet sich an jedem Wochenende, wenn der Schiri pfeift und die Bagger pausieren.
