Nach dem sex weinen oder lachen? wissenschaft erklärt die überraschung
Ein Lachen, ein Tränenfluss – nach dem Höhepunkt desintimer Moments kann es zu emotionalen Ausbrüchen kommen, die viele überraschen. Doch Experten betonen: Es ist weit verbreitet und hat eine wissenschaftliche Grundlage.

Disforia postcoitale: mehr als nur ein gefühl
Die Sendung “Zero Dramas” auf ARD hat sich dem Thema Orgasmusschock gewidmet, wobei die Sexualtherapeutin Bárbara Montes Einblicke in die sogenannte “Disforia postcoitale” gab. Sie erklärt, dass diese Reaktion, die sich durch Weinen oder Lachen nach dem Geschlechtsverkehr äußert, keineswegs ungewöhnlich ist und durchaus physiologisch erklärbar ist. Es handelt sich um eine Art emotionaler Ausgleich, der nach der intensiven körperlichen und psychischen Anstrengung auftritt.
“Es bedeutet nicht, dass etwas schiefgelaufen ist”, so Montes. Vielmehr setzt während des Orgasmus eine Kaskade von hormonellen und neuronalen Prozessen frei, die nach dem Höhepunkt zu einem Übermaß an Emotionen führen können. Der Körper sucht dann nach einer Möglichkeit, diese Energie abzubauen, und das kann sich in Tränen oder Lachen äußern.
Die Kommunikation ist der Schlüssel: Bárbara Montes betont die Wichtigkeit offener Kommunikation in der Partnerschaft. “Sag einfach: ‘Hey, manchmal weine ich danach, aber das bedeutet nicht, dass es mir nicht gefallen hat oder dass ich ein Problem mit dir habe’”, empfiehlt sie. Es ist wichtig, dem Partner zu versichern, dass die Reaktion nichts mit der Beziehung selbst zu tun hat, sondern lediglich eine natürliche Reaktion des Körpers ist.
Und tatsächlich: Die Disforia postcoitale ist kein Zeichen von Unzufriedenheit, sondern kann gerade das Gegenteil bedeuten. Sie wird vielmehr als eine „vollständige Befreiung“ beschrieben und steht oft in Verbindung mit intensiven Glücksgefühlen und einem hohen Maß an sexueller Erfüllung. Eine Studie der Universität Utrecht zeigte, dass rund eine von fünf Frauen und ein von acht Männern nach dem Sex zumindest einmal Weinen oder Lachen erlebt haben. Es ist also weit verbreitet und meistens ein Zeichen von intensiver Erfahrung.
