Länger leben, besser leben: psychologe stellt alters-dogmen in frage

Die Vorstellung, dass das Altern unausweichlich mit körperlichem und geistigem Verfall einhergeht, wird von einem Experten in Frage gestellt. Marcos Apud, Wellness-Coach und Biohacker, kommt nach Spanien, um eine neue Perspektive auf das Altern zu präsentieren – eine, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlicher Erfahrung basiert.

Der stress als stiller killer

Apud plädiert für eine Abkehr von veralteten Glaubenssätzen und betont, dass unsere täglichen Gewohnheiten einen deutlich größeren Einfluss auf unsere Lebensqualität im Alter haben als die Genetik. Er argumentiert, dass viele Menschen versuchen, emotionale Probleme zu lösen, ohne grundlegende Aspekte wie ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und effektives Stressmanagement zu berücksichtigen. Die wachsende Zahl älterer Menschen, die aktiv nach Möglichkeiten suchen, ihre Lebensqualität zu verbessern, spiegelt laut Apud einen wichtigen Wandel im Denken wider: immer mehr Menschen erkennen, dass ein langes Leben nur dann sinnvoll ist, wenn es mit Autonomie und Wohlbefinden genossen werden kann.

Der Stress, so Apud, ist der eigentliche Feind. „Chronischer Stress ist der stille Killer Nummer eins, und wir normalisieren ihn“, warnt er. Hohe Cortisolspiegel über längere Zeiträume fördern Entzündungen, beschleunigen den kognitiven Abbau, schwächen das Immunsystem und erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Problem liegt nicht nur in der Arbeitsbelastung, sondern in einem permanenten Zustand der Alarmbereitschaft, verbunden mit Schlafmangel, der als normal akzeptiert wird.

Einfache strategien für ein längeres, gesünderes leben

Einfache strategien für ein längeres, gesünderes leben

Anstatt wundersame Formeln zu versprechen, konzentriert sich Apud auf die Wiederherstellung grundlegender Gewohnheiten, die die moderne Gesellschaft oft vernachlässigt. Er empfiehlt drei besonders einfache Maßnahmen, die in Spanien leicht umzusetzen sind. Erstens: die Nutzung von Sonnenlicht in den frühen Morgenstunden. Dieser Ritus hilft, den biologischen Rhythmus zu regulieren, die Produktion von Serotonin zu fördern und den Schlaf in der Nacht zu verbessern. Zweitens: das Vorverlegen der Abendessen. Ein spätes Abendessen um zehn oder elf Uhr abends zwingt den Körper, Verdauungsprozesse durchzuführen, während er sich eigentlich auf den Schlaf vorbereiten sollte. Dies beeinträchtigt den Stoffwechsel, erhöht Entzündungen und verschlechtert die Schlafqualität. Und drittens: die Wertschätzung von bewusstem Ruhen, insbesondere der kurzen Siesta. Eine Pause von etwa zwanzig Minuten kann Stress reduzieren, die Konzentration verbessern und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern.

Die wissenschaftliche Evidenz ist klar: ein bewusster Umgang mit unserem Körper und Geist kann nicht nur die Lebensdauer verlängern, sondern auch die Lebensqualität im Alter deutlich verbessern. Es geht darum, die Kontrolle über unsere Gewohnheiten zurückzugewinnen und dem Stress eine klare Grenze zu setzen – und damit das Fundament für ein vitales und erfülltes Dasein zu legen.