Kranjec, 44, steckt nach horror-crash im rollstuhl – hoffnung zerfällt in kleinen schritten

Ein halbes Jahr nach seinem Rad-Crash hängt Robert Kranjec noch immer am Seil winziger Fortschritte. Der ehemalige Skiflug-Weltmeister sitzt nach wie vor im Rollstuhl, seine Füße ignorieren jeden Befehl. „Wir reden von Millimetern, nicht von Metern“, zitiert die slowenische Tageszeitung Ekipa einen behandelnden Arzt. Bis Herbst bleibt der 44-Jährige im Rehabilitationszentrum Ljubljana – und nur die Wochenenden gewährt ihm eine kurze Auszeit nach Hause.

Der unfall, der alles veränderte

Es war ein sonniger Aprilmorgen, als Kranjec mit dem Rad in Maribor unterwegs war. Laut Polizeibericht hatte er 2,5 Promille im Blut, stürzte und rutschte über eine Bordsteinkante. Seither spürt er die Beine, aber nicht die Füße. Die Diagnose: schwerste Rückenmarksverletzung. Die Operation rettete das Rückenmark, doch die Nervenbahnen kämpfen noch immer gegen das Gedächtnis des Schocks an.

Die Frage bleibt offen: wird der Mann, der einst 244 Meter über Kulm flog, wieder frei laufen können? Ärzte nennen keine Prognose, nur ein Stufenmodell. Erste Etappe: selbstständiges Stehen. Zweite Etappe: erste Schritte mit Gehgestell. Finalziel: Gehen ohne Hilfe. „Aber wir sind noch auf der ersten Etappe“, sagt sein Therapeut, Dr. Marko Zupan, nüchtern.

Was die zahlen verschweigen

Was die zahlen verschweigen

Die Statistiken sind gnadenlos: Nur 23 Prozent der Patienten mit ähnlicher Verletzung erreichen nach zwei Jahren wieder ein normales Gehbild. Kranjec kennt die Zahlen. Dennoch trainiert er täglich zwei Stunden auf dem Parallel-Balken, zieht sich die Füße mit Gewichten hinterher. „Ich will nicht nur laufen, ich will wieder springen“, sagt er zu seiner Physiotherapeutin – und sie lacht, weil sie die Sturheit des Weltmeisters von 2012 noch nie so deutlich erlebt hat.

Die Familie spielt eine zentrale Rolle. Seine Frau Alenka bringt die beiden Kinder jeden Samstag ins Zentrum. Sie sitzen auf seinem Schoß, während er die Reha-Geräte erklärt, als wären es neue Spielzeuge. „Papa übt, bis er wieder fliegen kann“, sagt der Zwilling Luka stolz. Das Video, das Alenka davon auf Instagram postet, erreicht binnen 24 Stunden 1,2 Millionen Aufrufe – und löst eine Welle der Solidarität aus.

Zwischen alkohol und verantwortung

Zwischen alkohol und verantwortung

Die 2,5 Promille bleiben wie ein Schatten über der Karriere-Saga. Kranjec hat sich öffentlich entschuldigt, spricht von einem „eigenen Fehler, den er ausbaden muss“. Der slowenische Skiverband zog Konsequenzen: keine Ehrenposten, keine Werbeverträge. Stattdessen finanziert der Verband nun die teure Reha. „Wir trennen das Individuum vom Fehler“, erklärt Präsident Enis Kranjc. Eine klare Ansage – und eine Lektion für alle Nachwuchsathleten.

Für den 44-Jährigen bleibt nurles nur die tägliche Kleinarbeit. Morgens das gleiche Ritual: Stützstrümpfe anziehen, Elektrostimulation starten, 30 Minuten Beinpresse. Dazwischen die kleinen Siege: ein Zeh, der sich bewegt, ein leichter Schmerz statt Taubheit. „Ich habe keine Zeit für Selbstmitleid“, sagt er und schaut aus dem Fenster des Reha-Gebäudes. Draußen startet die neue Skisprung-Saison – ohne ihn, aber mit seiner Geschichte als Mahnung und Motivation zugleich.