Cagliari-angst: drei kreuzbänder, ein klub am abgrund

Der Karneval der Verletzten ist vorbei, die Scherben bleiben. Drei Kreuzbandrisse innerhalb eines Spieljahres – das ist keine Pechsträhne, das ist ein Makel in der DNA des Cagliari Calcio.

Andrea Belotti, Mattia Felici, Riyad Idrissi: Jeder von ihnen war auf dem Sprung, sein Profil zu schärfen, bevor das Knie nachgab. Belotti schien in Sardiniien wiedergeboren, Felici hatte gerade die Kurve seines Aufwärtstrends gefunden, Idrissi war schon im Kader der U-21-Nationalmannschaft. Gestern in Bologna wurde der 21-jährige Flügelspieler erneut operiert. Saison aus, nächste Saison vielleicht wieder dabei – vielleicht.

Die wunde ist längst tiefer als das knie

Die Statistik dahinter schreit. Elf Gegentore in sieben Spielen, nur drei eigene Treffer. Nach dem Dreierpack gegen Juve, Fiorentina und Verona folgte ein Kollaps, der die Abstiegszone wieder aufriss. Trainer Fabio Pisacane, Neuling auf der Bank, muss nun mit dem Restbestand improvisieren. Die Rückkehr von Borrelli gegen Sassuolo ist keine Lösung, nur ein Pflaster.

Präsident Tommaso Giulini redete sich Montag in der Lega-Tagung in Mailand tapfer: „Wir haben die Werte, um bis zum Ende zu kämpfen.“ Die Werte, ja. Aber die Tore? Die Punkte? Die fehlen. Vor allem die gegen Lecce und Pisa, zwei Spiele, die man verschenkte und die nun wie Bumerang zurückkommen.

Stadion-debatte läuft nebenher

Stadion-debatte läuft nebenher

Parallel wird weiter über ein neues Stadion verhandelt. Der Klub bietet 50.000 Euro Jahresmiete, die Kommune will mehr. Der Streit wirkt wie ein Nebenschauplatz, solange die Mannschaft auf dem Rasen nicht steht. Doch ohne sichere Heimstätte wird der nächste Kreislauf aus Abstiegskampf und Leistungsdruck weiterdrehen.

Cagliari spielt am Sonntag in Reggio Emilia gegen Sassuolo, danach empfängt die Cremonese – beides Endspiele. Die Frage ist nicht mehr, ob der Klub die Klasse hält, sondern ob er überhaupt noch die Kraft hat, sich zu wehren. Die Antwort liegt nicht im Knie der Verletzten, sondern in den Köpfen derer, die noch laufen können.