Wück zwingt dfb-team zu selbst-hack: österreich lockt als wandervogel-falle
Christian Wück will keine Schönwetter-Kicker. „Wir müssen uns selbst spielerisch lösen, wenn sich neun Österreicherinnen hinten festbeißen“, sagt er – und schickt seine deutsche Fußball-Nationalelf am 14. April in Nürnberg in eine Art Stress-Test statt in ein Schaulaufen.
Österreich steckt im keller, genau deshalb wird’s schmutzig
Nach zwei 0:1-Niederlagen gegen Norwegen und Slowenien sitzt das alpine Nachbarsteam auf null Punkten. Für sie ist das Länderspiel in der Max-Morlock-Arena schon eine Zitterpartie. Für Deutschland droht die typische Falle: Gegner mit Rücken zur Wand, dicht gestaffelte Abwehr, schnelle Konter. Wück rechnet mit tiefem 5-4-1 und warnt vor den „Wandervögeln“, wie er die österreichischen Außenpositionen nennt, die sich blitzschnell in den deutschen Rücken stürzen.
Seine Antwort: Timing. „Passspiel-Optimum“ nennt das der 52-Jährige, was im Klartext bedeutet: Läufe, die sich gegenseitig öffnen, Bälle, die erst dann kommen, wenn eine Mitspielerin den Gegner bereits auf die Fersen lockt. Wer glaubt, dass sich nach dem 5:0 und 4:0 der Vorrunde alles von selbst ergibt, versteht laut Wück nichts von moderner Frauenfußball-Taktik.

Hendrich und rauch bleiben draußen – veit und zicai nutzen ihre sekunde
Kathrin Hendrichs Wadenprobleme in der NWSL stoppen ihre Rückkehr. Stattdessen bekommt Jella Veit den Platz im Innenverteidiger-Duo. Cora Zicai rückt für Klara Bühl nach, die nach ihrem Syndesmose-Anriss noch keine richtige Schaltung findet. „Wir fordern Lösungen, keine Ersatzlösungen“, sagt Wück – ein Seitenhieb auf jede Erwartungshaltung, die denkt, dass der WM-Ticket-Knaller schon in der Tascke sei.
Und Felicitas Rauch? Die Linksfuß-Außenbahn steht nur auf Abruf. „Ich brauche sie als Notfall-Option hinter Kett und Linder“, erklärt der Trainer. Klingt nüchtern, ist aber ein Luxusproblem: Drei linke Verteidigerinnen mit Startelf-Niveau zur Verfügung zu haben, erlaubt Rotation, ohne Qualität zu versenken.

Ein doppelpack würde deutschlands koffer richtung wm schon packen
Sollte das DFB-Team am Sonntag und vier Tage später in Ried zweimal gewinnen, wäre die Gruppe 4 praktisch entschieden. Dann stünde Österreich bei maximal noch sechs erreichbaren Punkten, Deutschland hätte zwölf – und ein Torverhältnis, das nach den bisherigen 9:0 bereits wie ein Abwehrbollwerk wirkt. Die Rechnung ist simpel: zwei Siege, neun Punkte Vorsprung, nur noch theoretisches Risiko.
Doch Wück mag keine Taschenrechner-Mentalität. „Wir wollen das Spiel lesen, nicht verwalten“, sagt er. Für ihn ist der Gegner nicht der Mannschaftsranking-Letzte, sondern ein „Druckkochtopf“, in dem sich alles entscheiden kann. Er erinnert daran, dass Norwegen gegen Österreich nur 1:0 gewann – durch einen späten Standard. „Kleinigkeiten“, so der Bundestrainer, „können große Folgen haben.“
14. April, 18.15 Uhr, Nürnberg. Keine Show, sondern ein Kompass-Spiel. Wer dort die Räume findet, ohne sich in der eigenen Erfolgsspur zu verheddern, der spürt, dass der Weg zur WM nicht über Tore, sondern über Geduld führt. Die deutsche Mannschaft hat 180 Minuten, um das zu beweisen. Danach weiß jeder, ob das Ticket nur noch Formsache ist – oder ob Österreich doch noch ein Wörtchen mitredet.
