Vor 35 jahren stürzte maradona vom gipfel in den drogensumpf
17. März 1991, 14:35 Uhr: Der Test war positiv, die Götterdämmerung perfekt. Diego Maradona, zehn Tage zuvor noch Matchwinner gegen Bari, wurde in Neapel beim Kokain erwischt – und für 15 Monate aus dem Verkehr gezogen. Für viele Argentinier endete an diesem Tag nicht nur eine Karriere, sondern auch ein Glaube.
Der Riss hatte sich schon Wochen zuvor angekündigt. Nach dem verlorenen WM-Finale 1990 gegen Deutschland irrte Maradona mit leeren Augen über den Rasen von Rom; Guido Buchwald hatte ihn mannsgroß geparkt. Die übergewichtige Rückkehr nach Neapel glich einer Generalprobe für den Sturz: abgehört, umzingelt von Camorra-Handlangern, stolperte er von Party zu Party. Kokain war kein Kick mehr, sondern Notfallbremse gegen die eigene Ikone.
Warum neapel plötzlich nein sagte
Die Stadt, die ihm 1987 die Meisterschaftsleiter vom Himmel geholt hatte, drehte um 180 Grad. Nach dem Halbfinale gegen Italien – ausgerechnet im heimischen San Paolo – galt Maradona als Vaterlandsverräter. Umfragen katapultierten ihn auf Platz eins der „meistgehassten Italiener“. Der Klub, der ihn einst vergötterte, zog die Reißleine, als Staatsanwälte abgehörte Telefonate auspackten: Kokainkäufe, Prostituierte, Clansprech im Hinterzimmer von Carmine Giuliano.
Corrado Ferlaino, Neapels Präsident, zuckte später in der Doku „Diego Maradona“ nur mit den Schultern: „Wahrscheinlich hat jemand anders für ihn gepinkelt.“ Das laxe Anti-Doping-System hatte den Superstar jahrelang durchgewunken – bis eben keiner mehr mitmachte.

Die sperre, die nie wieder aufhörte
15 Monate Sperre, Bewährungsstrafe wegen Drogenbesitzes, danach nur noch ein Schatten. Sevilla, Newell‘s, Boca – jedes Comeback endete im nächsten Testverlust. 1994 flog er bei der WM in den USA erneut, diesmal wegen Ephedrin. Die Zahlen lügen nicht: 34 Jahre alt, 259 Pfund auf der Hüfte, kaum noch Beinarbeit, aber immer noch der Blick eines Kindes, das den Ball sucht, den es nie wieder kontrollieren kann.
Am 25. November 2020 starb Maradona mit 60 Jahren. Die Nachwirkungen jenes 17. März 1991 werden Gerichtssaal Nummer 17 in Buenos Aires bald wieder beschäftigen: seine behandelnden Ärzte stehen vor Gericht, weil sie die Sucht nicht gestoppt, sondern verwaltet haben sollen.
Doch in Neapel ist die Schuld längst verjährt. Das Trikot mit der 10 bleibt für immer leer, und eine Stadt, die einst „Dios“ schrie, murmelt heute nur noch ein leises „grazie“. Der beste Fußballer aller Zeiten? Vielleicht. Der größte Absturz der Sportgeschichte? Sicher.
