Beckenbauer lehnte uefa-thron ab – manager packt aus
Eine Million Fans vor dem Brandenburger Tor, der „Kaiser“ auf der Bühne, und hinter ihm Manager Marcus Höfl, der heute enthüllt: Franz Beckenbauer hätte UEFA-Präsident werden können, sagte Nein, weil er lieber mit der Familie frühstücken wollte.
Der tag, an dem deutschland bebte
Höfl schluckt noch heute, wenn er an den 9. Juli 2006 denkt. „Es war ein Meer aus Menschen, das sich in Wellen bewegte, wenn Ballack traf“, sagt er im SPORT1-Podcast „Deep Dive“. Beckenbauer habe nur aus der Loge geschaut und später geflüstert: „So hat sich der liebe Gott die Welt vorgestellt.“ Für Höfl war das der Moment, in dem ihm klar wurde: Der Mann, den er seit 2003 vertritt, ist nicht nur Fußballgott, sondern auch Geschäftspartner, der ihm das Leben versüßt – und trotzdem ein Rätsel bleibt.
2003 übernahm Höfl die Management-Rechte für Beckenbauer. Kein Standard-Vertrag, sondern eine „Business-Partnerschaft“, wie er betont. „Er hatte keine E-Mail-Adresse, kein Handy, keinen PC. Aber er wusste immer, wer das für ihn erledigt.“ So erklärt sich, warum Höfl bis heute keine Spam-Nachricht von Beckenbauer erhalten hat – einfach weil es sie nie gab.

Platini wollte weg – beckenbauer blieb sitzen
2011 zog sich Beckenbauer aus FIFA und UEFA zurück. Höfl sah die Chance: „Michel Platini wollte eigentlich FIFA-Boss werden. Hinter den Kulissen stand eine schlagkräftige Fraktion bereit, die Franz zur UEFA-Wahl hätte pushen können.“ Höfl schwärmt noch heute: „Ich habe niemanden gesehen, der kleine und große Nationen gleichermaßen respektiert hätte. Er hätte den Posten mit links geholt.“
Doch Beckenbauer lehnte ab. Grund: Nach Jahrzehnten auf Reisen wollte er endlich mit Erfüllung sagen, statt mit Abschiedswelle. „Er wollte seinen Enkeln beim Aufwachen zusehen, statt in Hotels den Room-Service zu bestellen“, sagt Höfl. Die Entscheidung kostete Höfl Millionen-Boni, aber er versteht sie. „Familie war für ihn kein PR-Slogan, sondern Programm.“
Die WM 2006 war sein Meisterstück – und sein Abschiedsgeschenk an Deutschland. Höfl ist sich sicher: „Ohne Franz hätte es diese Sommermärchen-Chemie nicht gegeben.“ Heute, knapp zwei Jahre nach seinem Tod, bleibt die Erkenntnis: Manchmal ist das größte Talent des „Kaisers“ gar nicht das Spielen, sondern das Weggehen zur richtigen Zeit.
