Selbstmordattentat in schweizer postbus: sechs tote nach brand in kerzers
Ein Postbus in Kerzers, 20 Kilometer westlich von Bern, wurde am Dienstagabend zur Falle. Gegen 18.30 Urt kam es zu einem explosionsartigen Feuer, das sechs Menschen das Leben kostete und fünf weitere in Lebensgefahr brachte – darunter auch ein Ersthelfer.
Die ersten Videos zeigen eine Feuerfontäne von mehreren Metern Höhe, die den Wagen in Sekunden verschlingt. «Ein Mann hat sich mit Benzin übergossen und angezündet», sagt ein augenzeugen in einem Clip des Schweizer Senders Blick in albanischer Sprache. Die Polizei bestätigt, dass «eine Einzelperson das Feuer ausgelöst» habe, nennt aber kein Motiv. Der Verdacht: Suizid mit Fremdtotung.
Die rekonstruktion: wie ein fahrplan ins inferno
Der Autopostale fuhr die Linie 57 von Freiburg nach Bern. Laut Fahrplan hätte er um 18.24 Uhr in Kerzers halten sollen. Stattdessen schlugen um 18.26 Uhr die ersten Flammen aus dem Fond. Ein 17-Jähriger, der hinter dem Bus fuhr, bremste auf dem Seitenstreifen und zog zwei Frauen durch die Heckscheibe – beide schwer verbrannt, aber am Leben. «Die Hitze war wie ein Faustschlag», sagt er.
Feuerwehr und Retter waren innerhalb von acht Minuten vor Ort, doch die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht. Die Identifizierung der Opter verzögert sich, weil DNA-Proben erst abgeglichen werden müssen. Noch ist unklar, ob der Täter selbst zu den Toten zählt.
Die frage: warum lässt ein postbus tankbenzin zu?
Die Schweizerische Post erklärt auf Anfrage, dass «an Bord keine Gepäckkontrolle» erfolge – ein Sicherheitsloch, das jetzt offen zutage tritt. Experten fordern sofortige Einführung von Flaschen-Scannern an Haltestellen. «Wenn jemand zwei Liter Kraftstoff mitführt, merkt das keiner», sagt Verkehrssicherheitsprofessor Michael Schär. Die Polizei will bis Freitag ein Zwischenergebnis vorlegen, doch die Angst sitzt tief: Seit 2016 ist dies der schwerste Anschlag auf öffentliche Verkehrsmittel in der Schweiz.
Die Linie 57 bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Die Behörden raten von Spekulationen ab, doch die Bilder sind bereits viral – und die Schweiz fragt sich, wie viel Sicherheit ein offenes Bussystem noch bietet.
