Tottenham-katastrophe: kinsky fliegt nach 17 minuten – tudor verteidigt riskante rotation

Antonin Kinsky war noch nicht einmal viertelstündig im Champions-League-Feuer, da stand er schon wieder daneben – sichtlich mitgenommen, die Hände an den Oberschenkeln, das Kinn auf die Brust gesenkt. Nach zwei spektakulären Patzern innerhalb von 120 Sekunden zog Igor Tudor den Not-Reset, wechselte den tschechischen Debütanten gegen Guglielmo Vicario aus. Die Rechnung: 0:2 nach 17 Minuten, 2:5 am Ende, sechste Niederlage in Serie. Tottenham hat so viel Selbstvertrauen verloren wie Kinsky Bälle unter den Arm.

Tudor steht zum risiko: „die entscheidung war richtig“

Der Kroate ließ sich in der Pressezone nicht in die Defensive drängen. „Vicario war psychisch am Limit, wir brauchten einen Impuls“, sagte er mit rauer Stimme. Dass der Impuls binnen Minuten zur Schrecksekunde mutierte, sei „Fußball-Realität, kein Skandal“. Tudor redete sich in Rage, zugleich bemüht gelassen: „Ich habe Toni geschützt und die Gruppe. In 15 Jahren Trainerlaufbahn ist mir so etwas noch nie passiert – das sagt alles.“

Kinsky selbst irrte wie ein Schatten durch die Mixed Zone. Romero klopfte ihm auf die Schulter, De Gea twitterte Solidarität. „Nur ein Torwart weiß, wie leer die Luft wird, wenn zweimal das Netz klappert“, schrieb der Spanier. Die Spurs-Kabine applaudierte, als der Tscheche sich für sein Frühdebakel entschuldigte. Tudor: „Er hat keine Schuld am Resultat. Wir sind gemeinsam drin – und gemeinsam drunter.“

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Die Madrilenen rochen das Blut, schalteten nach dem Doppelschlag auf Angriffsmodus um. Morata & Co. verwandelten Wembley in eine Kathedrale der Effizienz, während Tottenham erstmals in der Klubhistorie sechs Pflichtspiele nacheinander verlor. Die Statistik ist laut, aber das Gefühl lauter: Ein Verein, der vor Wochen noch um Titel sang, taumelt nun dem Conference-League-Abgrund entgegen.

Tudor blieb stur. Auf Nachfragen zu seiner Zukunft reagierte er mit einem kalten „No comment“. Die Hotspur-Fans hingegen kommentieren lautstark: Blogs überschlagen sich mit Ruf nach Rückkehr von Ange Postecoglou, Sport-Talkshows rekapitulieren die 17 Minuten in Endlosschleife. Die Botschaft ist eindeutig – wer in der Königsklasse experimentiert, muss mit dem Guillotine-Risiko leben.

Am Ende bleibt eine erschütternde Erkenntnis: Zwischen Hoffnung und Debakel liegen im modernen Fußball keine 90 Minuten, sondern manchmal nur ein paar Sekunden, in denen sich ein Keeper verletzt – und mit ihm der Glaube einer ganzen Mannschaft. Tottenham hat die Lektion erhalten, Kinsky sein Trauma. Die Champions League spielt keine Gnade, nur Schlagzeilen.