Marcell jansen: vom café-anruf zum sommermärchen – und warum er den wm-titel nicht bereut

Der unerwartete anruf und der beginn einer karriere

Marcell Jansen erlebte den Beginn seiner Nationalmannschaftskarriere, wie viele Fußballfans es sich wohl vorstellen. Der Anruf von Jürgen Klinsmann kam für ihn völlig unerwartet. "Ich saß in einem Café in Mönchengladbach mit meinen Kumpels, ganz normal Kaffee trinken, und plötzlich stand da ‚Unbekannter Anrufer‘ und dann ging Klinsmann ran. Ich dachte erst, das ist ein Telefon-Joke, aber es war wirklich so", erinnert sich Jansen im SPORT1 Deep Dive.

Das debüt und der sprung in den wm-kader

Das debüt und der sprung in den wm-kader

Sein A-Länderspieldebüt feierte Jansen am 3. September 2005 im Testspiel gegen die Slowakei in Bratislava. Nach überzeugenden Leistungen unter Jürgen Klinsmann wurde er als jüngster Spieler für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nominiert. Für Jansen wurde es eine "unfassbar prägende" Weltmeisterschaft.

Das sommermärchen – eine einzigartige atmosphäre

Das sommermärchen – eine einzigartige atmosphäre

Trotz seines jungen Alters verspürte Jansen keine Nervosität. "Das geht dann einfach so schnell. Das ist vielleicht auch gut so, dass du keine Zeit hast, richtig darüber nachzudenken. Du tappst von einer Herausforderung in die nächste. Das war schon Wahnsinn, so etwas mitzuerleben", so Jansen. Besonders die Unterstützung für die Nationalmannschaft und das ganze Land war für ihn außergewöhnlich: "Alle Nationen waren Deutschland-Fans, wenn die eigene Nation raus war. Diese Kraft und Aufmerksamkeit kommt für mich auch nichts mehr ran. Ein Teil davon gewesen zu sein, hat mich unfassbar geprägt.".

Der weg zum bronze-rang und die freude über den erfolg

Der weg zum bronze-rang und die freude über den erfolg

Jansen musste bis zum Spiel um Platz drei auf seinen ersten Einsatz warten. Doch die Stimmung im Team und die Euphorie des Sommermärchens waren auch für ihn spürbar. Dank eines 3:1-Sieges über Portugal mit Luis Figo und Cristiano Ronaldo gelang der DFB-Elf der dritte Platz. "Es war total besonders auch im Umfeld mit dem Sommermärchen und du wolltest bei dem Turnier im eigenen Land dann auch auf dem Treppchen sein.".

Millimeter-entscheidung und die wm 2010

Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika verlief für Jansen schwierig. Eine Verletzung am Syndesmoseband im März warf einen Schatten auf seine Teilnahme. Letztlich entschied eine Millimeter-Entscheidung, ob eine Operation notwendig war oder nicht. "Wir haben mit dem Restrisiko nicht operiert und es ist voll aufgegangen. Ich habe praktisch erst während des Turniers meine Vorbereitung angefangen, um mein Level hochzukriegen", erklärt Jansen. Joachim Löw zeigte Vertrauen und nahm Jansen trotz seiner Verletzung mit.

Ein traumtor und die persönliche erfüllung

Jansen nutzte seine Chance und spielte sich ins Turnier hinein. Er erzielte sogar sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft. "Ich habe dort angefangen, zu trainieren und mich dann mit den guten Möglichkeiten ins Turnier reingespielt. Es war dann auch für mich persönlich Wahnsinn, weil ich eben mein erstes Tor bei einer WM gemacht habe." Sein Kopfballtor zum 2:2-Ausgleich gegen Argentinien im Spiel um Platz drei wird ihm immer in Erinnerung bleiben. "Ich hatte noch nie ein Kopfballtor gemacht. Da war so ein Running Gag. Mein Berater hat gesagt: ‚Wenn du mal ein Kopfballtor machst, lade ich dich zum Essen ein.‘ Dass es dann bei der WM war, umso schöner.".

Kein bedauern über den verpassten titel 2014

Obwohl Jansen die Weltmeisterschaft 2014 aufgrund einer Verletzung verpasste, bereut er dies nicht. "Natürlich wäre ich gerne dabei gewesen, am Anfang war es ein Schock. Es hätte mein Leben aber nicht verändert.". Er fühlte sich weiterhin als Teil des Teams und war stolz auf den Erfolg der Mannschaft. "Ich konnte mir so viele Privilegien erfüllen. So wie ich erzogen und als Mensch bin, habe ich mich so gefreut, als wie ich dabei gewesen wäre. Wir als Deutschland hatten es einfach verdient.".