Mafia-topboss santapaola stirbt im gefängniskrankenhaus – ein letztes kapitel italiens blutiger geschichte
Ohne Applaus, ohne Freilassung, nur mit einem Lebensmonitor als Zeugen: Benedetto „Nitto“ Santapaola, 87, erlag am Freitagabend im Krankenhaus San Paolo von Mailand einer Lungenembolie. Der Mann, der den Tod von Giovanni Falcone und Paolo Borsellino bestellte, schloss in Handschellen die Augen.
Sein Name stand für die schlimmsten Sekunden Italiens: 23. Mai 1992, Autobahn A29, Kilometer 19,4 – 500 kg TNT zerreißen den Wagen von Falcone, seiner Frau und drei Bodyguards. 57 Tage später ein zweites Mal Donnerschlag, diesmal in der Via d’Amelio in Palermo. Fünf Polizisten und Borsellino sind die Rechnung für den Pakt, den Santapaola mit den Corleonesi geschlossen hatte.
Santapaolas aufstieg begann mit einem mord im september 1978
Als Giuseppe Calderone in Catania fiel, rückte der ehemalige Ziegenhirde nach. Riina lieferte ihm die Waffen, Santapaola lieferte Riina den Hafen und die Drogenroute über Catania. Innerhalb von drei Jahren kontrollierte er die halbe Insel, verband sich mit den Camorra-Clans Neapels und wusch mit Hilfe von Briefkastenfirmen in Zürich und Frankfurt das Kokain-Geld sauber. Staatsanwälte schätzen, dass seine Organisation zwischen 1985 und 1990 etwa 1,2 Milliarden Euro in den legalen Wirtschaftskreislauf spülte.
Elf Jahre lang war er auf der Flucht. Die Sonderkommission „Caccia“ jagte ihn quer durch Sizilien, doch Santapaola schlief in Höhlen, in denen noch die Wärme der Ziegen ihn schützte. Sie fanden ihn schließlich am 18. Mai 1993 in einem verlassenen Masseria bei Mazzarrone – 120 Carabinieri, ein Hubschrauber, keine einzige Kugel. In seiner Hosentasche: ein Zettel mit der Notiz „Riina grüßen“.
Immer wieder lehnten gerichte seine freilassung ab
2020, mitten in der ersten Covid-Welle, beantragte seine Verteidigung Hausarrest – das Mailänder Überwachungsgericht lehnte ab: „Gefahr der Wiederbelebung krimineller Netzwerke besteht fort.“ Letzte Woche dann Notfallstation, Lungenembolie, Herzstillstand um 21.08 Uhr. Kein Familienmitglied war anwesend. Die Leiche wird obduziert, die Asche wird nach Catania überführt – unter Polizeieskorte, denn noch immer hat der Clan Santapaola dort seine Finger im Hafen.
Ein Arzt sagte in den Nachtstunden lapidar: „Er starb, wie er lebte – allein und mit einem Beamten neben dem Bett.“ Die italienische Justiz zählt damit 87 lebenslängliche Haftstrafen gegen Mafiosi, die nie mehr vor die Tür treten werden. Eine Zahl, die für sich spricht.
