Italia verliert shootingstar hasa an albanien – der junge, der einst die u19-europameister trug
Luis Hasa zog sich das Trikot über den Kopf – aber es war nicht mehr das blaue der Italienischen U19, sondern das rote mit dem schwarzen Doppeladler. Mit 22 Jahren hat der dribbelstarke Offensivmann den Schritt zur albanischen A-Nationalmannschaft vollzogen und damit eine kleine Sensation ausgelöst. Wer ihm vor zwei Jahren beim Triumph in der U19-Europameisterschaft zusah, ahnte nicht, dass dies sein letzter großer Auftritt für die Squadra Azzurra bleiben würde.
Der verlorene jahrmarkt und die wiederauferstehung in serie b
Hasa war die Stichflamme des Turniers, Pisilli saß auf der Bank und wartete. Dann kam der vertrackte Transfer, ein Jahr Leihe, kaum Spielzeit, Verletzungen, Trainerwechsel – plötzlich war der einstige Liebling nur noch Reklame auf Instagram. Die Zahlen sind gnadenlos: 214 Minuten in der vergangenen Serie-A-Saison, null Scorerpunkte. Die Karriere drohte zu versanden.
In Cosenza bekam er einen letzten Strohhalm. Serie B, roter Lehmboden, 15.000 Zuschauer, die pfeifen, wenn du dribbelst. Hasa antwortete mit Sieben-Meilen-Stiefeln: 29 Einsätze, fünf Tore, sieben Assists, 1,7 erfolgreiche Dribblings pro 90 Minuten – kein Italiener in dieser Altersklasse liegt höher. Die Scouts von Sylvinho schauten hin, sahen den Jungen mit dem schnellen ersten Schritt und dem Blick für die vertikale Passspieler und schrieben den Namen auf den Zettel.
Die Entscheidung war längst gereift. Papa Arben und Mama Naiada stammen aus Korça, Luis wurde 2002 in Sora geboren, aber im Wohnzimmer lief albanische Volksmusik, nicht RAI-1. Als die Telegramm-App plingelte und die Einladung zur FIFA-Window im September kam, brauchte er keine Nacht zu schlafen. Drei Tage später sagte er bei Interviews: „Ich fühle mich zu Hause, wenn der Adler auf der Brust brennt.“

Italiens verlust ist albaniens schnäppchen
Für die Figc ist der Weggang ein Arbeitsunfall. Trainer Carmine Nunziata, der ihn damals zum Europameister führte, hatte Hasa weiterhin auf dem Radar für die U21. Doch die FIFA-Regel erlaubt den einmaligen Wechsel, sofern der Spieler noch keine Pflichtspiele für die A-Auswahl absolviert hat. Die U21 zählt nicht. Also flog er nach Tirana, stieg ins Teamhotel ein und wurde sofort mit dem Spitznamen „Luis der Springende“ vorgestellt.
Die Konkurrenz im albanischen Mittelfeld ist überschaubar: Nedim Bajrami ist Leistungsträger, aber nach links außen fehlt ein echter One-on-One-Garant. Hasa bringt genau das mit – und noch etwas, das man in Tirana selten sieht: Sponsoringwert. In Italien kennt man ihn von TikTok-Videos, in denen er mit 3-Meter-Elastico-Turnieren Gegner in den Schatten stellt. Die Follower-Zahl stieg nach der Nationalmannschaftsbekanntschaft um 42 %, die albanische Tourismusbehörde wirbt bereits mit seinem Konterfei.
Die Qualifikation für die EURO 2024 ist bereits gelaufen, aber die Nations-League-Hauptrunde bietet eine Bühne. Am 5. September trifft Albanien auf Tschechien, Hasa dürfe von Anfang an ran, heißt es intern. Die italienische Presse wird bei dem Spiel vor dem Fernseher sitzen und fragen: „Was wäre, wenn …?“ Die Antwort lautet: nichts. Denn wer einmal den Adler trägt, darf laut FIFA nicht zurück.
Italiens Verband reagierte mit einem knappen Statement: „Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm viel Erfolg.“ Mehr war nicht drin, zu groß ist der Frust. In Zeiten, in denen Spalletti nach kreativen Außenbahnspielern sucht, fehlt plötzlich einer, der schon in der Jugend alles konnte – nur nicht den richtigen Zeitpunkt nutzte.
Hasa selbst will die Debatte nicht schüren. Vor dem Abflug nach Prag sagte er nur: „Ich spiele für meine Familie und für die Leute, die mich angefeuert haben, als niemand mehr an mich geglaubt hat.“ Die Zahl, die dabei bleibt, ist keine Frage: 22 Jahre alt, 13 Länderspiele für Albanien, null für Italien. Es ist die nüchterne Bilanz eines verlorenen Talents – und der erste Akt einer neuen Nationalhelden-Saga.
