Dzeko wartet im bosnien-höllenkessel: italiens nächster ex-freund mit 152 treffern im gepäck

Rom jubelte sich selbst aus. Federico Dimarco, Pio Esposito und Guglielmo Vicario tanzten auf dem Rasen, als hätten sie Brasilien im Finale ausgeschaltet – stattdessen feierten sie das 2:1 gegen Wales, das uns nach Zenica statt nach Cardiff schickt. Dort wartet Edin Dzeko, 40 Jahre alt, 152 italienische Tore auf dem Buckel, und ein ganzes Land, das sich an Verräter erinnert.

Die liga der falschen freunde

Die liga der falschen freunde

Karl-Heinz Schnellinger trug 222 Mal das Mailänder Rot-Schwarz, schoss nie – bis er in der 90. Minute des WM-Halbfinals 1970 den Ausgleich köpfte. Falcao schleppte 1982 seine Samba-Träume durch Rom, blieb harmlos, aber die Angst blieb. Michel Platini, Le Roi in Turin, schickte uns 1986 mit einem Kopfball nach Hause. Caniggia zog sich 1990 die blonden Strähnen aus Zengas Handschuhen und löschte das Magic-Night-Feuer. Dunga verwandeln 1994 den letzten Elfmeter im Finale, Ahn Jung-hwan traf 2002 golden für Südkorea, Ibra zertrümmerte 2004 unseren Traum vom Titel. Und jetzt? Trajkovski, einst Palermo, schoss Nordmazedonien in den Playoffs. Die Liste ist länger als ein Corner-Kick von Pirlo.

Die Azzurri haben diese Geschichten im Rückenmark gespeichert. Deshalb war das Geschnatter nach dem Wales-Sieg so laut: lieber Zenica als Cardiff, lieber ein Gegner ohne Weltmeisterstern. Doch der Plan hat einen Haken. Zenica ist kein Stadion, es ist ein Hochofen. 15.000 Bosnier, dazu Dzeko, der in der Serie A noch immer wie ein Jungspund sprintet – siehe sein Tor gegen Wales. Die Kurve wird singen: „Džeko, Džeko, udaraj!“ – schlag zu, Edin.

Luigi Di Biagio, der damals mit Schnellinger sprach, kennt die Mythologie. Er weiß, dass Italiens Angst nicht in den Füßen, sondern in den Köpfen wohnt. Die Statistik lügt nicht: Seit 1954 trafen wir elf Mal auf Ex-Serie-A-Stürmer in Entscheidungsspielen – acht Mal flogen wir raus. Die Zahlen sind hart, aber die Wahrheit ist härter.

Dimarco und Co. haben ihre Diplomatie-App noch nicht installiert. Die Videos, in denen sie sich nach dem Schlusspfiff abfeiern, kursieren bereits in Sarajevo. Motivation für Dzeko? Kein Extra-Sprint nötig. Er trainiert seit Wochen mit dem Blick auf den Kalender: 26. März, Zenica, 20.45 Uhr. Das ist sein Finale, nicht unseres.

Die Reisegruppe landet am Freitagmittag auf dem kleinen Flugplatz von Tuzla. Vom Fenster sieht man die Schlote der Stahlwerke. Die Luft riecht nach Kohle und nach Niederlage. Wer dort einmal gespielt hat, weiß: der Ball fliegt anders, der Rasen ist hart, die Pfeife des Schiedsrichters klingt wie ein Gong. Baggio hätte schweigend eingewechselt, Maldini hätte den Blick gesenkt. Stattdessen posten unsere Jungs Instagram-Stories. Die Bosnier speichern sie alle.

Am Ende zählt nur eins: Entweder wir brechen den Fluch der Ex-Freunde, oder Dzeko schreibt das nächste Kapitel. Die 152 Tore in Italien sind bereits gebucht. Nummer 153 könnte die teuerste werden. Das Spiel beginnt nicht mit dem Anstoß, sondern mit dem Gedächtnis. Und das ist in Zenica immer ein Tor vorn.