Holmenkollen schlägt zurück: raimund fliegt raus, 36-jähriger schweizer schreibt geschichte

Oslo – Die Schanze am Hausberg frisst Stars. Philipp Raimund, vor acht Tagen noch strahlender Sieger in Lahti, rutschte am Samstag in die Holmenkollen-Katastrophe. 119 Meter, Platz 37, Aus. Kein Finale, kein Titel, nur ein verzweifeltes „voll durchgelatscht“ im ARD-Mikro.

Windböe trifft olympiahelden – und trifft prevc

Der Wind war kein Alibi, er war der Henker. Eine Böe erwischte Raimund zwei Meter zu spät, eine andere zerlegte Sloweniens Domen Prevc. 117,5 Meter, Rang 42. Der slowenische „Allesgewinner“ zuckte mit den Schultern, der deutsche Olympiasieger schüttelte den Kopf. Beide raus nach dem ersten Durchgang – das passiert selbst auf der berüchtigten Kul-Pracht selten.

Die Zuschauer auf den Holzstufen am Holmenkollen spürten die Brutalität des Sports: Ein Sprung kann dich zum Idol machen, den nächsten in die Bedeutungslosigkeit stoßen. Raimunds schlechtestes Ergebnis seit Dezember 2024 traf ihn mitten im Selbstvertrauen.

Gregor deschwanden schlägt ein – und die altersstatistik

Gregor deschwanden schlägt ein – und die altersstatistik

Der neue Held heißt Gregor Deschwanden. 36 Jahre, 132,5 Meter, 130,5 Meter, 263,1 Punkte. Der Schweizer wurde zum ältesten Premierensieger der Weltcup-Historie. Pius Paschke, 33 Jahre alt bei seinem Debüt-Triumph 2024 in Engelberg, rutschte auf Rang zwei der ewigen Liste. Alter ist kein Makel, sondern eine Waffe – das bewies Deschwanden mit ruhiger Technik und versenktem Oberkörper.

Hinter ihm landete Maximilian Ortner (Österreich) auf Rang zwei, Naoki Nakamura (Japan) wurde Dritter. Die deutsche Mannschaft lieferte sich ein eigenes Mini-Drama: Nur Andreas Wellinger (17.), Karl Geiger (19.) und Pius Paschke (29.) überstanden die Qualifikation. Felix Hoffmann, auf der Tour Sechster, segelte auf Platz 44 ab – ein unrühmlicher Absturz.

Die lektion von oslo

Die lektion von oslo

Holmenkollen lehrt Demut. Die Schanze fordert Präzision, keine Routine. Raimund wird die Analyse schlucken müssen: Zu spät, zu tief, zu wenig. Die Saison ist lang, aber die Psyche schnell verletzt. Wer hier scheitert, darf in Planica nicht zögern.

Die Zahlen sind hart: 25 Jahre alt, 119 Meter, 37. Platz. Die Botschaft ist klar: Der Olympiasieger muss zurück an die Basis, bevor er wieder auf die Podeststufen klettert. Sonst bleibt nur der Blick auf die Schweizer Flagge – und auf einen 36-jährigen, der bewies: Spätstarter können die größten Sprünge wagen.