Reisch fliegt vor, prevc fliegt weiter: holmenkollen wird zur solo-show
Oslo – 125,5 Meter weit, niemand springt weiter – außer Nika Prevc. Die Slowenin lässt Agnes Reisch am Holmenkollen trotz Aufholjagd wieder einmal auf dem vierten Platz stehen und feiert ihren 17. Saisonsieg. 17! Das ist keine Dominanz mehr, das ist ein Monolog in einem Sport, der eigentlich von Unberechenbarkeit lebt.
Reischs angriff reicht nicht – vier meter fehlen zum podest
Die Allgäuerin legt nach dem enttäuschenden ersten Durchgang einen zweiten hin, wie man ihn sich in der deutschen Springer-Chefetage wünscht: länger, mutiger, konzentriert. Neun Plätze gutgemacht, 125,5 Meter – und trotzdem reicht es nur zu Rang vier. 216,4 Punkte stehen am Ende auf der Anzeigetafel, 7,7 Punkte hinter Nozomi Maruyama, die Bronze holt. Die Differenz klingt nach wenig, entspricht aber rund vier Flugmetern. In der Luft zählt jeder Zentimeter.
Prevc selbst startet aus einer für sie fast bescheidenen Ausgangsposition: Rang fünf nach Durchgang eins. Dann springt sie 127 Meter weit, lächelt wie immer nur halb, als wäre das alles ein Trainingstag. 228,5 Punkte, niemand kommt ihr nahe. Die 21-Jährige wird am Sonntag Geburtstag feiern – mit dem nächsten Rekord im Gepäck.

Deutsches quartett im schatten – schmid weiter im tiefschlag
Hinter Reisch bleibt Selina Freitag als Achte beste Deutsche. Auch sie findet keine Antwort auf Prevc. Und Katharina Schmid? Die Rekordweltmeisterin landet auf Rang 25, eine Woche nach dem peinlichen Erstrunden-Aus in Lahti. Zehn Jahre war sie nicht mehr so früh draußen – nun folgt die nächste Blamage. Für die 32-Jährige wird die Saison zur Geduldsprobe.
Die Bilanz für das DSV-Team: keine deutsche Siegerin seit Januar 2023, kein Podestplatz seit Mitte Februar. Während Prevc die Tour durch die klassischen Bakken zur Privatvorstellung umbaut, steht die deutsche Skiflug-Fraktion noch immer auf der Suche nach dem richtigen Startgeschwindigkeits-Wert für die eigene Saison.
Die Weltcup-Saison geht weiter – und mit ihr die Frage, wer Prevc stoppen kann. Bisher lautet die Antwort: niemand. Die Slowenin fliegt, die Konkurrenz schaut zu. Reisch und Co. bleiben das Trostpodium.
