Bern fegt biel mit 7:4 raus – müller trifft doppelt und schickt einen warnschuss richtung playoff
Die Torketten rattern, die Bande bebt, die PostFinance Arena explodiert. Der SC Bern wirft den EHC Biel mit 7:4 aus der Play-in-Runde und liefert sich selbst ein Manifest für die Tage danach: Marco Müller, lange der verschollene Goalgetter, trifft zweimal innerhalb von 122 Sekunden und erledigt damit nicht nur die Gäste aus dem Seeland – er erledigt auch die Statistik, die ihn 40 Spiele lang wie ein Klotz an den Beinen hängen ließ.
Müller und scherwey schalten auf torjäger-modus
Christian Wohlwend, MySports-Experte und Cheftrainer in Olten, atmet im Studio tief durch: „Die beiden haben genau jetzt ihren Rhythmus gefunden, wo jeder Treffer doppelt zählt.“ Er spricht von Müller und Tristan Scherwey, dem Duo, das in der regulären Saison noch für verpasste Chancen stand, im Rückspiel aber jeden Pass in Gold ummünzt. Scherwey legt auf, Müller nagelt den Puck unter die Latte – 2:0. Drei Minuten später rewindet sich das Band, nur mit vertauschten Rollen. 3:0. Die Halle tost, Biels Coach sucht vergeblich nach einem Timeout, der die Lawine stoppt.
Müller selbst wirkt nach dem Abpfiff wie jemand, der endlich wieder Luft geholt hat. „Ich habe 40 Spiele gebraucht, um diese zwei Tore zu erzielen – und dann fallen sie an einem Abend“, sagt er lachend, aber mit einem Unterton, der verrät: Er weiß, dass die Play-in-Serie gegen die SCRJ Lakers nächste Woche bereits die nächste Rechnung fordert. „Biel war hart, aber wir wollen weiter nach oben. Das war nur eine Etappe.“

Biels defensive zerbricht am tempo der mutzen
Was Biel in der regulären Saison noch zäh zusammenhielt, zerfetzt in Game 2 wie altes Papier. Berns Vorwärtsdrang wirkt wie ein Dauerfeuerwerk: erst kurz, dann lang, dann wieder schnell quer. Die Bieler Abwehrreihen verlieren die Zuordnung, Torhüter Jonas Hiller sieht 34 Schüsse auf sein Gehäuse prasseln – sieben landen im Netz. Die 4:0-Auswärtsniederlage im Hinspiel schien wie ein Stich ins Herz, doch Bern zieht den Dolch wieder heraus und platziert ihn diesmal präziser.
Heinz Ehlers, Chef der Berner, spricht nach dem Spiel nicht vom System, sondern vom Gefühl: „Wir haben Biel das Timing geklaut.“ Gemeint ist jene halbe Sekunde, die entscheidet, ob ein Pass ankommt oder im Schlittschuh landet. Bern nimmt diese Sekunde weg, indem es ständig wechselt, wann und wo der nächste Angriff startet. Das Ergebnis: Biel wirkt stets eine Idee zu spät, der Puck bereits im Tor.

Der playoff-traum lebt – aber die lakers warten bereits
Nächster Gegner: Die SCRJ Lakers, Frischlinge mit nichts zu verlieren und allem zu gewinnen. Für Bern heißt das: Kein Luxus, nur Arbeit. Müller weiß das. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, wiederholt er wie ein Mantra. Die Zahlen sprechen trotzdem für ihn: Zwei Tore in 122 Sekunden, nach 40 torlosen Spielen – das ist die Art von Momentum, das Ligen sprengt.
In der Kabine herrscht lautes Stimmengewirr, dazwischen das metallische Klacken von Schlittschuhen, die auf Beton treffen. Draußen wartet bereits das nächste Spiel, drinnen feiert niemand länger als nötig. Die Saison ist noch nicht gerettet, aber sie atmet wieder. Und Marco Müller? Er schnürt die Schuhe für die nächste Runde – mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, der eben bewiesen hat, dass man Tore nicht nur in Statistiken braucht, sondern vor allem dann, wenn sie wehtun.
