Trinchieri zieht nach thessaloniki: dreijahres-pakt mit paok – bamberg-macher wird griechischer hoffnungsträger

Andrea Trinchieri wartet nicht länger. Nach sieben Monaten Job-Pause unterschreibt der 56-Jährige beim griechischen Traditionsklub PAOK Thessaloniki – und bekommt sofort ein Mammutprojekt auf den Tisch.

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Der Vertrag läuft bis 2027, startet aber erst im Juni. Bis dahon führt Pantelis Boutskos die Mannschaft weiter, während Trinchieri schon jetzt als Berater einsteigen darf. Ein Luxus, den sich der neue Milliardär-Miteigentümer Aristotelis Mistakidis leisten kann – und will. Seit dessen Einstieg träumt PAOK von der Euroleague, bisher ohne Erfolg.

Die Trennung von Jure Zdovc Anfang April war erst der Anfang. Nun holen die Griechen einen Trainer, der in Deutschland Spuren hinterlassen hat: drei Meisterschaften mit Bamberg, zwei Pokalsiege mit München, immer dieses unverwechselbare italienische Temperament an der Linie.

Doch die letzte Station war kein Zuckerschlecken. In Kaunas schmiss Zalgiris ihn im Sommer raus, obwohl Trinchieri das Team ins Pokalfinale geführt hatte. Der Vorwurf: zu wenig Kontinuität in der Liga. Ein Makel, den er in Griechenland ausbügeln will.

PAOK liegt derzeit abgeschlagen im Mittelfeld der heimischen Liga. Die Kluft zwischen Anspruch und Realität ist groß – genau das, was Trinchieri liebt. „Er braucht den Underdog-Status“, sagte ein enger Vertrauter vor zwei Wochen zu mir. „Am besten alle gegen ihn – dann ist er in seinem Element.“

Der Italiener wird nicht nur einen neuen Kader formen müssen, sondern auch eine Kulisse ertragen, die in Europa ihresgleichen sucht. In der Toumba pfeifen die Fans nicht – sie singen. Und sie verlangen Titel, nicht Teilnahme.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: PAOK holte in den letzten fünf Spielzeiten nur 54 % der möglichen Punkte. Für einen Klub mit Euroleague-Ambitionen ein Armutszeugnis. Trinchieri muss die Quote auf über 70 % hochschrauben, will er die Play-offs erreichen. Keine Kleinigkeit.

Während die Verhandlungen liefen, telefonierte Trinchieri fast täglich mit seinem langjährigen Assistenten Emilio Kovač. Der schließt sich ihm an – ein Indiz dafür, dass der Coach diesmal eine langfristige Lösung sucht, nicht nur ein Intermezzo.

Der erste Test kommt früh: In der Quali zur FIBA Europe Cup muss PAOK im September überzeugen. Trinchieri hat gerade mal zwölf Wochen, um eine neue Defensividentität zu schaffen. Seine Lieblingszahlen: unter 75 Punkte Gegner-Schnitt, über 25 Assists pro Spiel. Bei Zalgiris schaffte er Letzteres nie.

Ein Detail verrät viel: In seinem Vertrag steht eine Klausel, die ihm bei vorzeitigem Einzug in die Euroleague eine Prämie von einer halben Million Euro sichert. Für PAOK wäre das der Durchbruch, für Trinchieri die Bestätigung, dass er noch zu den europäischen Top-Coaches zählt.

Die Griechen lieben ihre Helden – und sie sind schnell mit dem Finger am Abzug, wenn der Erfolg ausbleibt. Trinchieri kennt den Druck, er sucht ihn. Sommer 2024, Thessaloniki: Ein italienischer Feuerkopf trifft auf ein griechisches Pulverfass. Es wird laut werden.