Fc zürich schaltet turbo: aebli räumt ab april auf
Mit einem Paukenschlag verpflichtet der FC Zürich am Freitag Marc Aebli als neuen Geschäftsführer. Der 46-jährige Betriebsökonom übernimmt per 1. April 2026 die operative Führung aller nicht-sportlichen Abteilungen – ein Schachzug, der die Super-League-Traditionsmannschaft endlich auf Rendite trimmen soll.

Warum der fcz jetzt einen sanierer holt
Die Zahlen sind schonungslos: Trotz kontinuierlicher TV-Einnahmen und überdurchschnittlicher Zuschauerzahlen schwimmt der Klub seit Jahren in roten Zahlen. Letzte Saison verbuchte der Verein nach Angaben des eigenen Jahresabschlusses einen Verlust von 3,7 Millionen Franken. „Wir können uns kein weiteres Halb-Projekt leisten“, sagte Präsident Ancillo Canepa bereits im Herbst. Mit Aebli bekommt er nun einen Mann an Bord, der in der Vergangenheit zwei Mittelständler aus der Insolvenz führte und bei einer Digitalagentur die Margen verdoppelte.
Der FC Zürich trennt sich dabei bewusst von der klassischen Doppelspitze aus Sportdirektor und Geschäftsführer. Kunstrasen, Ticketing, Social-Media-Kanäle, Catering – alles fällt künftig unter Aeblis Ressort. Der Zürcher Klub kopiert damit die Struktur von RB Leipzig, wo ähnliche Vollmachten den ökonomischen Aufstieg beschleunigten.
Intern herrscht Erleichterung. „Endlich hat jemand das Sagen, der Excel-Tabellen genauso liebt wie Wir-Gefühl“, berichtet ein Mitarbeiter aus dem Marketing. Tatsächlich setzt Aebli auf Daten statt Bauchgefühl: Bei seinem letzten Arbeitgeber führte er ein Modell ein, das jeden Franken erfasst, der über Sponsoring, Merchandising oder Stadionwirtschaft fließt. Die Transparenz schreckte zunächst Sponsoren ab, zog aber neue, höhere Etats nach sich.
Doch der Zeitplan ist knapp. Bis Saisonbeginn 2026/27 will der Verein die Personalkosten um 15 Prozent senken und gleichzeitig die Matchday-Einnahmen steigern. Ob Aebli dafür Stellen streicht oder neue Partner wirbt, lässt er offen. Sein Credo: „Cashflow ist kein Zauberwerk, sondern Disziplin.“
Die Fans reagieren gemischt. Auf der Nordkurve kursiert ein Plakat mit der Aufschrift „Profit vor Passion?“, während andere Vertrauen haben. „Wenn wir finanziell stabil sind, können wir auch bespielen“, sagt Martin Lehmann, Sprecher der Fangruppierung «Zürcher Löwen». Die Erinnerung an die Zwangsabstiege der 1990er sitzt tief.
Für Aebli beginnt der Wahnsinn bereits vor seinem offiziellen Start. Bis April will er 120 Tage Vorlauf nutzen, um Lieferverträge, IT-Lizenzen und Catering-Konditionen neu zu verhandeln. Wer ihm in den Weg kommt, erntet einen Satz, der ihm in der Branche nachgesagt wird: „Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden, sondern Bilanzen zu retten.“
