Schwartz rettet preußen münster: letzter platz, letzte chance

Am Tabellenende angekommen, zieht Preußen Münster den Notnagel. Alois Schwartz, 58, übernimmt als Feuerwehrmann den Letzten der 2. Bundesliga – und hat acht Spiele Zeit, den Klub vor dem Absturz in die Drittklassigkeit zu bewahren.

Warum ausgerechnet schwartz?

Weil er diesen Sumpf schon kennt. Rostock, Sandhausen, Karlsruhe – überall baute er tief stehende Teams um, schürfte Punkte, wo andere schon abgeschrieben hatten. In Münster wartet nun das nächste Scherbenhaufen: nur ein Sieg aus 13 Partien, das 0:6 in Dresden als Tiefpunkt, zwei Zähler Rückstand auf Holstein Kiel, den ersten Gegner unter seinem Kommando.

Ole Kittner, Geschäftsführer Sport, redet sich in Form: „Er gibt klare Führung, bringt Struktur und weiß, wie man Abstiegskrisen übersteht.“ Geschäftsoptimismus. Denn intern ist sich niemand mehr sicher, ob die Mannschaft die nötige Reaktion noch findet. Die Kabine ist verunsichert, die Fans wütend, die Vereinsglocken läuten seit Wochen nur noch Sturm.

Schwartz

Schwartz' erste woche: training, video, kiel

Montag Vormittag: erste Einheit, 65 Minuten, kein Schnickschnack. Schwartz lässt die U19-Analysten Videos schneiden, jeder Spieler bekommt seine persönliche Fehler-Mappe. Dienstag: Doppelpass, Standards, Sprintfolgen. Donnerstag: taktisches Korsett, 4-2-3-1, Umstellung auf Five-at-the-back bei Ballverlust. Freitag: Rede an die Mannschaft, keine Sozialpädagogik, sondern Zahlen. „Wer nicht sprintet, fliegt.“

Seine Assistenten: Kieran Schulze-Marmeling bleibt als Bindeglied zur U23, Janis Hohenhuel liefert die Daten. Drei Trainer, ein Ziel: mindestens 11 Punkte aus den letzten acht Spielen. So viel braucht Münster lange Statistik, um Platz 16 zu erreichen.

Die rechnung geht auf – oder sie platzt

Die rechnung geht auf – oder sie platzt

Schwartz’ Vertrag läuft nur bis Mai. Keine Saisonvorbereitung, keine Transferperiode, nur retten. Seine Gehaltsstaffelung: 50.000 Euro Prämie pro Platz, den die Preußen am Ende besser stehen als jetzt. Maximal 250.000 Euro – kleines Risiko, großer Druck.

Am Sonntag im Holstein-Stadion wird sich zeigen, ob die neue Stimme reicht. Kiel hat die gleichen Sorgen, aber mehr Selbstvertrauen. Wer verliert, rutscht ins Schottische – sprich: die 3. Liga rückt näher. Ein Draw hilft beiden kaum weiter.

Schwartz’ Credo: „Erst weg von der Linie, dann reden wir über Fußball.“ Translation: Kein Spieler wird schöngeredet. Die Liga ist gnadenlos, die Uhr tickt. Seine letzte Rettungsmission endete in Rostock mit dem Klassenerhalt am letzten Spieltag. Münster hofft auf ein Déjà-vu. Sonst wartet die Regionalliga – und das wäre für den Traditionsklub das aus, das niemand aussprechen will.