Rummenigge zündelt: „bayern sind vom soliden weg abgekommen"

Karl-Heinz Rummenigge packt öffentlich aus. Der Ehrenvorsitzende des FC Bayern kritisiert die eigene Klubpolitik der vergangenen Jahre mit ungewohnter Schärfe und nennt Zahlen, die selbst eingefleischte Bosse blass werden lassen.

In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung AS beziffert der 70-Jährige die weltweiten Beraterprovisionen im vergangenen Sommer auf 1,347 Milliarden Dollar – umgerechnet 1,17 Milliarden Euro. „Vor fünf Jahren waren es 500 Millionen, was schon viel war. Das schadet unserem Sport sehr“, wettert Rummenigge und fordert ein sofortiges Moratorium.

Ex-vorstand zielt auf kahn und salihamidzic

Ex-vorstand zielt auf kahn und salihamidzic

Die Attacke trägt deutliche Handschrift. Mit dem Verweis auf das Credo des verstorbenen Franz Beckenbauer – „Erfolg muss auf einer soliden Grundlage stehen“ – stellt Rummenigge die Ära seines Nachfolgers Oliver Kahn und des damaligen Sportvorstands Hasan Salihamidzic infrage. Unter deren Regie explodierten die Spielergehälter und Beraterhonorare. Der Aufsichtsrat reagierte 2023 mit der Entlassung beider Manager und setzte auf Sparkurs. Seither arbeiten Max Eberl und Christoph Freund daran, die Kosten zu dämpfen.

Rummenigge liefert ein Rezept: „Fünf Prozent des Jahresgehalts an den Berater sind ausreichend – alles darüber hinaus ist ein Schlag ins Kontor der Vereine.“ Derzeit schwimmt der deutsche Rekordmeister laut seinen Angaben auf einer Quote von zehn Prozent. Eine Regelung auf europäischer Ebene hält er für überfällig, schließt aber auch juristische Schritte nicht aus.

Der frühere Starstürmer nimmt die Branche in die Pflicht: „Wir sind komplett vom Weg abgekommen.“ Die Folgen: Klubs verlieren Handlungsspielraum, Fans zahlen höhere Ticketpreise und junge Talente werden zur Geisel von Vermarktungsagenten.

Die Gegenwehr der Berater lässt er nicht gelten. „Der FC Bayern München ist kein Verein, den man einfach ignorieren kann. Wenn wir Konsequenzen ziehen, spürt das die gesamte Szene“, kündigt Rummenigge an und unterstreicht damit die Machtfülle des Münchner Giganten.

Der Ex-CEO setzt den Ball nun in den Halm der FIFA, der ECA und der europäischen Top-Ligen. Gesprächsbedarf besteht – sonst droht eine weitere Inflationsspirale. Die Uhr tickt, die Transferperiode 2026/27 rückt näher. Für Rummenigge steht fest: „Ohne Deckelung der Provisionen verlieren wir die Kontrolle über unseren eigenen Sport.“