Prato: ehekrach auf der tribüne – gacem fordert ihren eigenen verein vor gericht

Asmaa Gacem trat vor die Presse, und das Stadion hallte noch vom Echo ihrer Worte, als sie sagte: „Ich wurde ohne Grund entmachtet.“ Die 35-Jährige, geboren in Marrakesch, erst Frau, dann Präsidentin, jetzt Gegnerin – des AC Prato und vor allem ihres Mannes.

Der Serie-D-Klub steht seit Tagen im Ruf des Skandals. Gacem war im Winter abgesetzt worden, ihr Nachfolger: Antonio Politano. Derselbe Politano, der ihr seit acht Jahren den Ehering trägt. Was wie ein dynastischer Machtwechsel aussah, entpuppt sich als Rosenkrieg auf Rasenniveau.

„Wer fehlt, zahlt“ – politano lässt keine zweifel

Politano ließ wenige Stunden später ein Papier verbreiten, das kälter klingt als ein Abstoß im Dezember: „Wer Fehler macht, trägt die Last.“ Er spricht von „illegitimen Entscheidungen“ in Gacems Amtszeit, von drohenden Schadenersatzforderungen gegen den Klub und einem „industriellen Risikopf“ für die Marke Prato. Die geschäftliche Kehrseite der Ehe wird so offen angeprangert, wie es selbst in italienischen Fußballfamilien selten ist.

Gacem kontert mit einer Pressekonferenz mitten in der historischen Altstadt. Ohne Teleprompter, dafür mit Aktenordnern. „Der Stadionausbau? Nicht mein Thema. Die Schulden? Prüft die Bücher, aber prüft auch die Motive“, sagt sie und klingt dabei wie eine Trainerin, die weiß, dass sie in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter kriegt.

Serie d als schauplatz eines ehestreits – warum das jetzt alle angeht

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Die Liga, sonst zuständig für Amateurromantik und Torschützenkönige mit Nebenjob, rückt ins Rampenlicht der nationalen Medien. Denn der Fall bringt zwei Fragen auf den Punkt: Wer darf in Italien einen Fußballklub führen – und wer kontrolliert die, die sich Kontrolle nennen? Die Antwort liefert ein Blick auf das Prato-Ultras-Forum: Dort wird Politano bereits als „traditore“ beschimpft, während Gacem zur „regina tradita“ stilisiert wird.

Die nächste Szene ist klar: Am 15. Juli beginnt der Prozess vor dem Arbeitsgericht Florenz. Gacem fordert Wiedereinstellung plus Schmerzensgeld. Politano droht mit Gegenklage wegen Vertragsbruch. Der Klub selbst? Der steht zwischen den Fronten und damit auf Abstiegsplatz 21 der Credibilitäts-Tabelle.

Ein Scheidungsanwalt wird sich ebenfalls einfinden. Die Frage ist nur, ob vor oder nach dem Spieltag. Denn wer sich in Italien mit dem eigenen Verein entzweit, der verliert oft beide Lieben – die Frau und den Fußball. Gacem scheint bereit, dieses Risiko einzugehen. „Ich gehe nicht vom Platz, bevor der Schiedsrichter pfeift“, sagt sie – und meint damit wohl diesmal das Gericht.