Ex-milan-star bricht zwölf jahre schweigen: so zerstörte der tod seines sohnes mein leben
Guido Magherini, einst Halbspieler im legendären Milan von Nereo Rocco, saß am 26. Mai 1973 auf der Bank, als der Meister in Verona mit 3:5 zerlegt wurde. Die „Fatalità di Verona“ schleuderte den Club aus der Spur, doch für Magherini kam ein Schicksal, das jede Niederlage verblasst lässt: der Tod seines Sohnes Riccardo im Polizeigewahrsam von Florenz.
Der tag, an dem der fußball aufhörte, sein leben zu sein
Der ehemalige Mittelfeldspieler redet erstmals offen über jenen 3. März 2014. „Riccardo wurde nach einem Streit mit einem Taxifahrer festgenommen. Falsch, ja – aber nicht todeswürdig“, sagt Magherini mit heiserer Stimme. Augenzeugen berichten, dass Carabinieri den 37-Jährigen fixierten und traktierten, als er um Hilfe bat. Der Herzstillstand trat auf, während Handschellen seine Handgelenke drückten.
Die Familie kämpfte jahrelang vor italienischen Gerichten – vergeblich. Erst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sprach 2022 einstimmig für sie und sprach eine Entschädigung aus. „Aus Italien kam nie ein Schuldeingeständnis, keine Entschuldigung. Die Blicke der Beamten blieben auf dem Boden kleben, als wir uns gegenüberstanden“, erzählt Magherini.

Warum er zwölf jahre lang den ball nicht mehr berührte
Von der Tribüne des Stadio Franchi schweigt die Kurve heute, wenn der Name Riccardo fällt. 2014 hängten Ultras ein Banner: „Riccardo Vive“. Luciano Spalletti reiste eigens aus St. Petersburg für eine Gedenkmesse an, Giancarlo Antognoni steht bis heute an der Seite der Familie. „Der Fußball hat uns umarmt, doch ich konnte ihm nicht mehr zurücklieben“, gesteht Magherini.
Die Karriere des 72-Jährigen endete nicht mit einem letzten Pfiff, sondern mit einem richterlichen Schlag: dreieinhalb Jahre Sperre wegen angeblicher Wettmanipulation in zwei Spielen. „Serie A in Handschellen“ titelten die Blätter. Magherini schüttelt den Kopf: „Ich habe nie Geld genommen, nie ein Ergebnis verkauft. Die Partie Taranto–Palermo gewannen wir, ich lieferte das Assist – das war meine einzige Schuld.“
Heute ringt die Stadt Florenz damit, einem jungen Mann ein Denkmal zu setzen, dessen Leben in einer Zelle endete. Ein Park, eine Straße – ein Name. „Das löst keinen Schmerz, aber es beweist, dass Riccardo gelebt hat“, sagt Magherini. Der Milan ruft ihn nicht mehr. Die Kugel rollt ohne ihn. Doch der Vater weiß: Manchmal zählt der letzte Pass nicht auf dem Rasen, sondern in einem Gerichtssaal. Und manchmal entscheidet der VAR des Lebens länger als 90 Minuten.
