Milano verkauft san siro – 197 millionen, neun verdächtige und ein stadion voller staatsanwälte

Um 6 Uhr klingeln die Türgongs: In Mailand rollt die Justiz den größten Stadion-Deal Italiens zurück. 197 Millionen Euro kassierte die Stadt für San Siro, doch laut Staatsanwaltschaft war das ein Schnäppchen für Inter und Milan – und ein Schlag gegen die öffentliche Kasse.

Die Liste der Beschuldigten liest sich wie ein Who-is-Who der Mailänder Sport-Macht: Ex-Stadträtin Ada De Cesaris, Ex-Sportassessor Giancarlo Tancredi, die Clubs-Manager Mark van Huukslot (Inter), Giuseppe Bonomi (Milan-Tochter Sport Life City) und Alessandro Antonello, ehemals Inter-CFO. Ihnen wird Ausschreibungsmanipulation und Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen.

Warum die „stadien-liberalisierungs“-regelung plötzlich nach hinten losgeht

Die Sonderregel, mit der Mailand 2019 private Investoren ins Stadion-Geschäft locken wollte, sollte Sport-Infrastruktur beschleunigen. Jetzt steht sie im Verdacht, nur dazu gedient zu haben, Inter und Milan ein Grundstück unter Marktwert zuzuschieben. Die Prüfer glauben: Hinter den Kulissen wurden Gutachten gefiltert, Bieter ausgeschlossen und Preise gedrückt.

Die Ermittler stützen sich auf Chats und E-Mails, die im Zuge der Mega-Skandale um Mailands Stadtplanung sichergestellt wurden. Darin schreibt Star-Architekt Stefano Boeri schon 2019 an Bürgermeister Giuseppe Sala: „Achtung, hier werden private Interessen über das Gemeinwohl gestellt.“ Die Warnung wurde ignoriert.

Mit 197 Millionen verließ die Stadt die Verhandlung – ein Preis, der laut unabhängigen Schätzungen mindestens 70 Millionen unter dem liegt, was San Siro als Bauland in bester Lage wert wäre. Die Differenz landete in den Bilanzen der beiden Klubs, nicht in denen der Bürger.

Wie die clubs reagieren – und was jetzt auf sie zukommt

Wie die clubs reagieren – und was jetzt auf sie zukommt

Inter und Milan weisen jede Schuld von sich. Man habe „regelkonform geboten“, heißt es in parallel abgestimmten Statements. Doch die Justitiz prüft bereits, ob die Klubs ihre neuen Stadionpläne (ein Projekt im verhandelten Paket) mit denselben Tricks vorangetrieben haben.

Sollte die Anklage erhoben werden, drohen den Clubs nicht nur Millionenstrafen, sondern auch der Entzug der Baubewilligungen. Dann stünden zwei der teuersten Neubau-Vorhaben Europas still – und die Derby-Feier von Inter und Milan als „erste Eigentümer des San Siro“ (so Klub-Chef Beppe Marotta im September) würde zur Farce.

Die Stadt Mailand hat bereits angekündigt, das Geld zurückzufordern, falls die Justiz Rechtsbehelde eröffnet. Für Bürgermeister Sala beginnt der Countdown bis zur Kommunalwahl 2026 – mit einem 70-Millionen-Loch in der Kasse und einem Stadion, das plötzlich wieder ihm gehört, aber keinen Besitzer will.