Marchand bricht zusammen, marburger folgt – paralympics-sensation droht zu kippen
Kurz vor der Halbzeit lag Kathrin Marchand auf Bronze-Kurs, dann klappte der Körper. Die 35-Jährige musste sich an die Betreuer klammern und wurde aus dem 10-km-Klassik-Loipe geführt. Keine 30 Minuten später ging auch Sebastian Marburger zu Boden – zwei deutsche Medaillenhoffnungen binnen einer Stunde ausgeschaltet.
Der körper schrie, das ziel blieb stumm
Marchand, erst 14 Monate vom Ruder-zum Langlauf umgeschult, hatte nach dem Sprint-Rang vier am Vortag alles auf eine Karte gesetzt. Die Folge: Kreislaufkollaps bei minus zwölf Grad, 1.300 Höhenmetern und einer Sehbeeinträchtigung von 30 Prozent auf beiden Augen. „Ich habe gespürt, dass es eng wird, aber ich wollte das Podium“, sagte sie noch auf der Strecke, be ihr linkes Bei nachgab. Die erste Athletin, die Olympia, Sommer- und Winter-Paralympics gemeistert hat, schafft es nicht, ihre eigene Grenze zu ziehen – ein Drama mit Vorbote.
Denn Marburger, der am Sonntag Silber überraschend eingefahren hatte, lief auf dieselbe Falle zu. Amputiertes rechtes Bein, hartnäckiger Infekt vor den Spielen, heute keine Antwort auf die Laktatschwemme. Auch er klappte bei Kilometer fünf ein, musste betreut abtreten. Platz drei war real gewesen.

Wicker verpasst das podest um einen herzschlag
Einzig Anja Wicker lieferte sich ein Rennen mit Happy-End-Potenzial. 1,5 Sekunden fehlten zur Bronzemedaille, 1,5 Sekunden, die sie sich mit der Zunge abschleckte. „Ein Zwinkern“, sagte sie, „mehr nicht.“ Die 34-Jährige, die beim Biathlon schon zwei Edelmetalle holte, spült trotzdem Adrenalin: „Ich bin über Limit gegangen – das kann man an Paralympics machen, ohne sich zu verlieren.“
Übrig bleibt Andrea Eskau, 54, neunte Spiele, zehnter Platz – und ein Kreis, der sich langsam schließt. Die Jugend bricht weg, die Routiniere halten das Feld zusammen.
Deutschland verliert an diesem Vormittag zwei Medaillen – aber gewinnt eine Geschichte über Körper, die Nein sagen, und Köpfe, die Ja brüllen, bis die Stimme erstickt. Die nächste Loipe kommt. Marchand kündigt an: „Ich werde aufstehen. Ich habe noch ein Rennen.“ Der Körper mag schwach sein, der Wille ist längst wieder unterwegs.
