Katar-krise trifft italien hart: ein drittel des gases bricht weg
Die Anlagen in Mesaieed und Ras Laffan stehen still. Auf unbestimmte Zeit. Und Italien merkt das sofort: Ein volles Drittel des nationalen Gasverbrauchs hängt an diesen beiden Standorten in Katar – dem größten LNG-Produktionszentrum der Welt. Was sich gerade abspielt, ist kein vorübergehendes Zittern auf den Energiemärkten. Es ist ein struktureller Einschlag mit Langzeitwirkung.
Was lng mit dem alltag zu tun hat – und warum das jetzt zählt
Flüssigerdgas, kurz LNG, ist nicht dasselbe wie das Flüssiggas an der Tankstelle. LNG ist im Wesentlichen Methan, auf minus 162 Grad heruntergekühlt, auf ein Sechshundertstel seines ursprünglichen Volumens komprimiert und per Schiff rund um die Welt transportiert. Günstig, effizient, skalierbar. Genau deshalb hat Italien seinen LNG-Import im Jahr 2025 um satte 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert – auf insgesamt 20,9 Milliarden Kubikmeter. Das entspricht rund einem Drittel des gesamten Gasverbrauchs des Landes, der laut Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit bei 63,1 Milliarden Kubikmetern lag.
Katar war dabei nicht irgendein Lieferant. Laut Snam-Daten war das Emirat 2025 Italiens zweitgrößter LNG-Lieferant mit einem Anteil von 33 Prozent – hinter den USA mit 47 Prozent. Dieser Anteil fällt jetzt weg. Nicht gedrosselt. Weg.
Der dominoeffekt, der sich bereits ankündigt
China wird als weltgrößter LNG-Importeur als erstes unter Druck geraten. Peking muss rasch auf Schweröl- und Brennstoffkraftwerke umsteigen, was die globale Nachfrage nach Rohöl zusätzlich anheizt. Das drückt auf die Spritpreise – auch an deutschen und italienischen Zapfsäulen. Wer gehofft hatte, der Krieg im Iran könnte die Kraftstoffpreise kurzfristig sogar drücken, der sollte diese Hoffnung besser begraben.
Der Gaspreis liegt derzeit bei rund 60 Euro pro Megawattstunde. Weit entfernt von den apokalyptischen 320 Euro, die im Sommer 2022 nach der russischen Invasion in der Ukraine erreicht wurden – aber die Richtung ist klar. An der europäischen Referenzbörse TTF in Amsterdam sind die Terminkontrakte für nahe Lieferzeiträume allein zwischen dem 2. und 3. März um 30 Prozent gestiegen. Dreißig Prozent. In einem einzigen Tag.

Der herbst wird zur eigentlichen bewährungsprobe
Die europäischen Gasspeicher sind bereits unter Druck. In Italien liegen sie bei 47,6 Prozent Füllstand – dem niedrigsten Stand seit dem 30. April des Vorjahres. Für den Sommer, wenn Klimaanlagen die Stromnetze belasten, und erst recht für den Herbst, wenn die Heizperiode beginnt, ist das eine beunruhigende Ausgangslage. Die EU insgesamt bezog 2025 acht Prozent ihres LNG aus Katar. Italien lag deutlich darüber.
Ich sage das nicht, um Panik zu schüren. Aber wer die Zahlen kennt, weiß: Die eigentliche Rechnung kommt im Oktober. Und sie dürfte teuer werden.
