Briten läuft 50 km besoffen durch norwegen – seine tränen im ziel sind kein alkoholdunst
Gabriel Gledhill hat Samstag in Oslo die 50-km-Massensprint in Holmenkollen mit 0,91 Promille und Jägermeister im Blut beendet. Er wurde 67. von 69. Die Sensation: Das war kein Spaß, sondern Abschiedsprotest. Norwegen schickt den Langläufer wegen „zu niedrigem Einkommen“ nach Großbritannien zurück – und beendet damit seine Karriere.
Der lohn für fünf jahre training: eine abschiebung
Seit 2019 lebt Gledhill in Lillehammer, trainiert auf dem 140-Millionen-Kronen-Skistadion, das die Norweger stolz „nationales Leistungszentrum“ nennen. Seine Finanzierung: ein Stipendium von 8 000 Euro jährlich plus Nebenjobs im Fitnessstudio. Das reicht unter dem Existenzminimum, das Einwanderungsbehörde UDI für Langzeittitel verlangt. Die Ablehnung kam Anfang März, die Frist läuft am 30. Juni ab. „Ich kann mir keine Anwaltin leisten, geschweige denn eine neue Wohnung in Leeds“, sagt er, während er die Startnummer noch als Armband trägt.
Also nahm er 14 Bier und sechs Shots – und los ging die Selbstzerstörungsmission. „Ich wollte zeigen, dass selbst betrunken niemand schneller ist als ein Brit, der seine Heimat verliert“, lacht er, aber der Ton klingt wie ein Schluck Abführmittel. Zwischen den Runden stoppte er, um sich mit Zuschauern zu fotografieren. Ein Fan reichte ihm den Schnaps, ein anderer versehentlich Mundwasser – „hatte nach 20 Sekunden den Geschmack von Eukalyptus im Rachen, hab’s wieder ausgespuckt“.

Der verband schweigt, die konkurrenten feiern ihn
Die Internationale Skiföderation FIS wird den Fall wohl ignorieren; Alkolkontrollen finden im Langlauf nur bei Podestplätzen statt. Gledhills Teamkollegen dagegen trugen ihn auf der Schulter durch die Mixed Zone. Der Norweger Martin Løwstrøm Nyenget, selbst Olympiasieger, sagt: „Wir haben alle Angst, dass wir das nächsten Winter selbst sind.“
67. Platz, aber er gewann die Herzen. Auf Instagram folgten ihm nach dem Rennen 42 000 neue Fans, Spendenaktionen laufen. Doch Gledhill weiß: „Virale Popularität zahlt keine Miete.“ Er plant bereits den Rückflug nach Leeds, wo es keine Loipe gibt, nur eine alte Sporthalle mit kaputten Rollmatten.
Die Bilanz: Ein Land, das Milliarden in Wintersport steckt, wirft talentierte Athleten raus, weil sie keinen sechsstelligen Vertrag vorweisen können. Gledhill wird in zwei Wochen das letzte Mal die Birkebeinerløypa entlanglaufen – privat, mit Rucksack und Thermoskanne. Er wird nüchtern sein. Und er wird weinen. Nicht wegen des Alkohols, sondern weil Norwegen seine Träume ausgebootet hat wie ein Startboot, das nie wieder anlegen darf.
