Gerlinger zerfetzt ligue-1-schiris: frankreich liegt zehn jahre zurück

Der Mann, der 18 Jahre lang die juristische Faust des FC Bayern war, schlägt jetzt in Frankreich ein wie eine Bombe. Dr. Michael Gerlinger, bis 2023 Vize-Präsident des Rekordmeisters, hat das Schiedsrichter-System der Ligue 1 als veraltet, intransparent und strukturell unterentwickelt gebrandmarkt. Bundesliga und Premier League seien „lichtjahre voraus“, zitiert ihn L'Équipe.

Die vier säulen, die frankreich fehlt

Gerlinger unterteilt das Elend in vier Felder. Erstens: Organisation. In Deutschland und England arbeiten eigenständige Unternehmen und Ligen-Abteilungen mit klaren Kompetenz-Kaskaden, während Frankreich noch in filigranen Vereinsstrukturen versinkt. Zweitens: Stimme der Liga. „Die Meinung der Klubs wird in der Bundesliga mit Gewicht in den Prozess eingebunden“, sagt Gerlinger – in Paris hingegen herrsche „Einbahnstraßen-Kommunikation“.

Drittens: der Austausch. „Schiedsrichter, Spieler und Trainer reden miteinander, nicht übereinander“, beschreibt er die deutsche Praxis. Gesprächsrunden, Videoworkshops, gemeinsame Analyse-Tage – ein Ritual, das in Frankreich „als Luxus gilt, nicht als Standard“. Viertens: Technik und KI. Der Handlungsrahmen für VAR-Einsätze sei in Deutschland „millimetergenau dokumentiert“, während Frankreich auf „Interpretations-Spielräume setzt, die nur neue Debatten schüren“.

Die Kritik kommt nicht aus dem Nichts. Spieltag 24 war der Zünder. Lyon verlor 2:3 gegen Marseille, kam sich betrogen vor, und Gerlinger fordert bis heute „klare Antworten, die niemand liefert“. Sein Fazit: „Es gibt ein Problem der Verantwortung – und zwar auf Seiten der Schiedsrichter.“

Der deutsche zeitplan, der frankreich fehlt

Der deutsche zeitplan, der frankreich fehlt

Die Arbeitsgruppe um Gerlinger will ihre Reform-Konzepte noch diesen Monat dem Ligue-1-Gremium präsentieren. Dabei dient die Bundesliga als Blaupause. Denn was viele vergessen: Als Bayern-Direktor Recht war Gerlinger maßgeblich an der Einführung des VAR in Deutschland beteiligt, hat Protokolle mitgeschrieben, Klagen vorausgedacht, Regel-Lücken geschlossen. Er kennt also nicht nur die Probleme – er kennt auch die Lösungen.

Frankreich liegt seiner Einschätzung nach „da, wo Deutschland vor zehn Jahren stand“. Die Zeit tickt. Denn während die Bundesliga bereits Daten-Modelle testet, um Schiris per KI vor Fehlentscheidungen zu warnen, diskutiert Frankreich noch über Post-Spiel-Briefe. Für Gerlinger ein Unding: „Fußball ist Emotion, aber Struktur darf nicht dem Zufall überlassen bleiben.“

Der ehemalige Bayern-Vize hat kein Amt beim Weltverband, keinen Stuhl in der UEFA-Kommission. Aber er hat ein Erbe – und eine Mission. Wer 18 Jahre die Interessen des Rekordmeisters verteidigt hat, weiß, wie man Druck aufbaut. Die Frage ist nicht, ob die Ligue 1 reformiert wird, sondern ob sie es schnell genug tut, bevor der nächste Skandal die Meisterschaft spaltet.