Gendrey erlebt albtraum-saison – gleiches sprunggelenk erneut zerstört

Valentin Gendrey schrie nur einmal, dann lag er da wie angegossen. Die TSG-Einheit brach Sekundenbruchteile später ab, denn jeder wusste: Das war keine Prellung. Der 25-jährige Rechtsverteidiger hatte sich bei einer Grätsche im Rasen verfangen – dieselbe rechte Ferse, die ihm schon zu Saisonbeginn den Knöchel bruch. Diagnose am Mittwoch: erneute schwere Band- und Kapselverletzung, Ausfall „auf unbestimmte Zeit“.

Comeback-trail wird zur endlosschleife

Erst am 2. Dezember jubelte Gendrey nach 110 Tagen Reha sein Comeback, seitdem kam er auf acht Kurzeinsätze, meist in der Nachspielzeit. Die Statistik liest sich wie Hohn: 187 Minuten Bundesliga seit seiner Rückkehr – und nun wieder Null. Andreas Schicker, Sport-Geschäftsführer der TSG, sprach von „extremer Bitterkeit“, doch das Wort greift zu kurz. Der Franzose hatte sich gerade einen Startplatz erkämpft, seine Grätsche im Training war eine Reaktion auf die ersehnte Dauerbelastung. Jetzt droht das zweite Jahr in Folge, in dem er die Schlussphase verpasst.

Die Folgen reichen über den einzelnen Spieler hinaus. Mit Vladimir Coufal ist zwar ein erfahrener Ersatzmann da, doch dessen Vertrag läuft 2025 aus und die Verhandlungen stocken. Gendreys erneuter Ausfall zwingt Hoffenheim, erneut in den Transfermarkt einzusteigen – und das Budget für den Sommer vorzuverlegen. Intern heißt es, man prüfe „kurzfristige Leihlösungen“, um die rechte Seite nicht auf Junior-Star Tim Drexler allein zu stellen.

Psychologen sind schon wieder im kader

Psychologen sind schon wieder im kader

Wenige Clubs haben sich so intensiv mit Verletzungsfolgen beschäftigt wie die TSG. Sportpsychologin Dr. Lisa Groß stand Gendrey bereits in der ersten Reha zur Seite, nun wird das Betreuungsprogramm „Comeback 2.0“ hochgefahren. Der Klub will verhindern, dass sich der Franzose in das Schicksal seines Landsmanns Florian Grillitsch verrannt – der nach zwei Kreuzbandrissen nie mehr zu alter Stärke fand.

Für Gendrey beginnt die entscheidende Phase nicht auf dem Platz, sondern im Kopf. Die medizinische Prognose lautet: mindestens viereinhalb Monate Pause, möglicherweise ein halbes Jahr. Das bedeutet: Saison 2024/25 ist gelaufen, die EM 2025 in Deutschland nur noch Fernsehgast. Die einzige gute Nachricht: Das Knochenbruch-Trauma ist ausgeheilt, die neue Blessur betrifft vor allem Bänder – kein konstruktiver Totalschaden. Dennoch: Wer zweimal am selben Gelenk kollabiert, muss sich Sorgen um seine Explosivität machen. Und genau die machte Gendrey in den Minuten nach seiner Einwechslung so gefährlich.

Die TSG reist ohne ihn nach Freiburg, dann nach Berlin. Die Punkte sind Pflicht, wenn die Europa-League-Träume leben bleiben sollen. Gendrey wird am Samstag stattdessen im Kraichgau mit Antibiotikum statt Ball arbeiten. Seine Kollegen haben ihm eine Video-Botschaft geschickt – ein Ritual, das es seit der Knöchel-Pleite gibt. In der Kabine hängt sein Trikot als Mahnung: Der nächste Schritt zählt. Aber er wird wohl erst 2025 gehen.