Geiger kritisiert olympia-chaos: „es war sehr klein“
Vinzenz Geiger, der deutsche Hoffnungsträger im Nordenischen Kombinierer, hat im Nachgang zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo scharfe Kritik geäußert. Nicht nur die verpasste Medaille, sondern vor allem die chaotische Organisation und die mangelnde Professionalität des Austragungsortes Predazzo haben den Athleten tief enttäuscht.
Ein sturz, der alles verändert
Nach Jahren voller Triumphe – zwei olympische Goldmedaillen, ein WM-Titel und der Sieg im Gesamtweltcup – blieb Geiger in Italien mit leeren Händen zurück. Im Sport1-Podcast “Deep Dive” sprach er offen über die Enttäuschung und die Umstände, die zu seinem Ausscheiden führten. Ein Sturz im Teamsprint, der durch eine vermeintliche Mängels des Schnees ausgelöst wurde, beendete die Hoffnungen auf eine Medaille abrupt. Geiger vermutet, dass ein Kabel unter der Schneedecke einen defekten Punkt verursachte, der zu seinem Unglück führte.
“Ich habe wirklich nicht gewusst, wie das passieren konnte“, so Geiger frustriert. „Es war keine Abfahrt, wo man sich irgendwie konzentrieren musste. Ich wollte an der Gruppe links vorbei und bin dann in ein Loch reingefahren.“ Der 28-Jährige schilderte, wie sich die Situation mit rasender Geschwindigkeit zuspitzte: „Ich bin eigentlich ganz normal gelaufen, dann ist mein linker Ski weggebrochen und dann lag ich auf der Schnauze.“

Mehr nordische ski-wm als olympia
Doch die sportliche Enttäuschung war nur ein Teil des Problems. Geiger kritisierte die dezentrale Austragung der Spiele in Italien scharf. „Durch Mailand und Cortina war alles auseinandergezerrt. Wir waren in Predazzo nur mit den Skispringern und den Langläufern“, bemängelte er. „Es war sehr klein. Es war eigentlich mehr wie eine Nordische Ski-WM, nur kleiner.“ Der fehlende Austausch mit Athleten anderer Sportarten und die fehlende Atmosphäre trugen seiner Meinung nach zu einem insgesamt unbefriedigenden Erlebnis bei.
Auch die Eröffnungsfeier, an der Geiger teilnahm, hinterließ keinen bleibenden Eindruck. „Es waren auch keine Zuschauer erlaubt, also sind wir für das Fernsehen einmal 50 Meter durch den Ring gelaufen“, scherzte er, um die Absurdität der Situation zu unterstreichen. „Wir haben alle die Bilder aus dem San Siro gesehen, mit dieser krassen Eröffnungsfeier und wir sind dann 10 Sekunden vorgelaufen und das war’s.“

Der gesamtweltcup als echter triumph
Trotz der Enttäuschung blickt Geiger positiv in die Zukunft. Er betonte, dass der Gewinn des Gesamtweltcups in der Saison 2024/25 eine besondere Bedeutung hat. „Das ist eigentlich das Höchste, was man bei uns in der Sportart erreichen kann. Sportlich gesehen noch wertvoller als der Olympiasieg, weil es eben die ganze Saison die Leistung abzeichnet“, erklärte er stolz. Die Medaillen, so Geiger, verblassen irgendwann, aber die Erinnerung an die sportliche Leistung bleibt bestehen. „In zehn bis 20 Jahren interessiert es keinen, ob ich jetzt zweifacher, dreifacher Olympiasieger bin oder ob ich noch eine bronzene Medaille habe oder nicht.“
Die Olympischen Spiele 2026 mögen für Vinzenz Geiger zu einer bitteren Erfahrung geworden sein, doch seine Entschlossenheit und sein Ehrgeiz, an der Spitze des nordischen Skisports zu stehen, sind ungebrochen. Er hat einen Schlussstrich gezogen, und nun gilt es, die Energien für zukünftige Herausforderungen zu bündeln. Die nächste Saison steht vor der Tür, und mit ihr die Chance, seine Klasse erneut unter Beweis zu stellen.
