Gebrauchtwagenboom: motorradmarkt explodiert – diesel dominiert weiterhin
München – Ein überraschendes Bild zeigt sich aktuell auf dem deutschen Automarkt: Während der Handel mit gebrauchten Pkw leicht schwächelt, verzeichnet der Zweiradmarkt einen regelrechten Boom. Die neuesten Zahlen des Automobilclubs Italia (ACI) offenbaren eine deutliche Verschiebung in den Konsumpräferenzen – und werfen Fragen nach den Gründen auf.
April-bilanz: leichte delle bei pkw, motorräder im höhenflug
Im April wurden in Deutschland 261.436 Pkw-Fahrzeugwechsel registriert, ein Rückgang von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch der Schein trügt, denn parallel dazu explodierte der Markt für gebrauchte Motorräder förmlich. Mit 70.214 Zulassungen liegt der Zweiradmarkt satte 10,3 Prozent im Plus. Insgesamt verzeichnet der Fahrzeugmarkt einen leichten Anstieg von 0,8 Prozent, was aber primär dem Zweiradboom geschuldet ist.
Ein deutliches Zeichen: Der Gebrauchtwagenmarkt bleibt trotz der leichten Abschwächung dominant. Für je 100 Neuwagen wurden im April unglaubliche 182 Gebrauchtwagen verkauft – ein Verhältnis, das sich im ersten Quartal des Jahres kaum verändert hat. Das spricht Bände über die Preissensibilität der Konsumenten und die Attraktivität von gebrauchten Fahrzeugen.
Doch es gibt auch Schattenseiten. Die Anzahl der Fahrzeuge, die aus dem Straßenverkehr genommen werden, stieg um 3,7 Prozent auf 96.270. Besonders betroffen sind hierbei Fahrzeuge der Euro-4-Norm (36,6 Prozent), gefolgt von Euro-5 und Euro-6 Modellen (32,8 Prozent). Das deutet auf eine alternde Fahrzeugflotte hin, die zunehmend den Wegfall findet.

Diesel und benziner halten sich, e-mobilität gewinnt langsam
Auch wenn die Elektromobilität langsam in Fahrt kommt, dominieren weiterhin konventionelle Antriebsarten den Gebrauchtwagenmarkt. Diesel-Fahrzeuge machen immer noch 40,8 Prozent der Verkäufe aus, obwohl ihr Anteil leicht gesunken ist. Benziner liegen mit 14,8 Prozent (plus 31,8 Prozent) vorne, gefolgt von LPG-Fahrzeugen mit 7 Prozent. Elektroautos machen aktuell 2 Prozent aus – ein Wachstum von 45,5 Prozent, das zwar vielversprechend ist, aber noch ausbaufähig.
Besonders gefragt sind Fahrzeuge zwischen vier und acht Jahren alt – eine vernünftige Balance zwischen Kaufpreis und zukünftigen Wartungskosten. Auch kompakte SUVs und Crossover erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Die Prognosen für das zweite Halbjahr 2024 sind optimistisch: Erwartet wird ein Anstieg des Angebots an jüngeren Gebrauchtwagen durch Rückführungen von Langzeitmietwagen. Ob dies tatsächlich zu einem Aufschwung führt, hängt jedoch von flexiblen Finanzierungsmodellen und eventuellen Anreizen ab.
Die ACI-Analyse zeigt zudem ein besorgniserregendes Bild: Die Fahrzeugflotte in Deutschland wird immer älter. Fahrzeuge zwischen 20 und 29 Jahren machen bereits 16,6 Prozent der Zulassungen aus, während Fahrzeuge über 30 Jahren einen Anteil von 3 Prozent ausmachen. Das ist ein Weckruf für eine beschleunigte Erneuerung der Fahrzeugflotte und eine Förderung umweltfreundlicher Alternativen.
