Gasperini verstummt nach sieg – roms trainer wütet im stillen
Ein Sieg, kein Wort. Nach dem 1:0 gegen Lecce schwieg Gian Piero Gasperini – offiziell wegen Heiserkeit. Doch hinter den Kulissen von Trigoria brodelt es. Der Trainer der Roma ist wütend. Und das nicht erst seit gestern.
Der laute ton im leisen sieg
Die Erklärung des Klubs klang einfach: „Stimmbandentzündung“. Doch wer in der Näle des Olymps war, hörte etwas anderes: Fluchen im Kabinengang, Türen knallen, ein Coach, der seine Mannschaft nicht vor die Fernsehkameras ziehen wollte. Gasperini hatte sich schon einmal so verhalten – am 7. Januar, nach dem ersten Duell in Lecce. Damals ging es ums Wintertransfergeschäft, das er als läpplich empfand. Jetzt, drei Monate später, wiederholt sich die Szene – nur mit mehr Druck im Kessel.
Die Serie von vier sieglosen Spielen, das Aus in der Europa League gegen Bologna, die verpassten Top-Transfers wie Sanchos und Raspadoris – alles lastet auf ihm. Die Roma-Führung um Friedkin, Ranieri und Massara hatte am Freitag ein Krisentreffen einberufen. Thema: fehlende Schnittstelle zwischen Wunschliste und Realität. Gasperini forderte Spieler mit sofortiger Durchschlagskraft, bekam stattdessen Malen – zwar treffsicher, aber kein Alleskönner.

Junge löwen retten den alten
Was blieb, war der Sieg durch Robinho Vaz, 19, erster Treffer in der Serie A. „Ich habe Zidane als Vorbild, aber heute wollte ich nur der Kurve Süd eine Freude machen“, sagte er, noch mit Kinderstimme. Neben ihm Pisilli, 21, der nach der verlustbehafteten Europa-League-Schlacht vor allem eins wollte: „Beweisen, dass wir lernen können.“ Die Kids tragen die Hoffnung, während der Coach schweigt – ein Bild, das in Rom nicht neu ist, aber neu brennt.
Die Tabelle? Platz fünf, zwei Punkte hinter der Champions-League-Ränge. Noch ist alles drin. Doch wenn Gasperini weiter nur mit Gestik und nicht mit Worten kommuniziert, wird die Stimme seiner Spieler irgendwann überkippen. Rom gewann das Spiel, nicht die Ruhe.
