Freigang brennt – drei sperre droht, wm-ticket schmilzt
Laura Freigang steht vor
dem größten Albtraum ihrer Karriere. Drei verpasste Dopingtests, drei „Strikes“ in zwölf Monaten – die 28-jährige Frankfurter Stürmerin droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Damit wäre nicht nur ihre Teilnahme an der WM 2027 in Brasilien vom Tisch, sondern auch die Leitung Eintrachts auf dem Platz.Missverständnis oder systemfehler?
In einer Instagram-Story greift Freigang zum Handy-Mikrofon und setzt dem Rausch ein: „Gegen mich besteht kein Dopingverdacht“. Ihre Stimme klingt ruhig, fast nüchtern, aber der Unterton ist klar: Sie fühlt sich im System verheddert. Die drei Kontrollen habe sie nicht bewusst verweigert, sondern „Unstimmigkeiten“ bei der stundenaktuellen Ortsangabe im NADA-Portal seien schuld. Ein Satz, der bei vielen Kolleginnen für Stirnrunzeln sorgt – denn diese App aktualisieren sie alle täglich.
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) leitet den Fall weiter an den DFB. Dort landet er auf dem Schreibtisch der Disziplinarkammer. Zeitdruck ist Programm: Die neue Frauen-Bundesliga-Saison startet am 21. August. Fällt eine Sperre vorher, verliert Frankfurt seine Kapitänin. Fällt sie später, könnte der Klub sie monatelang zahlen, ohne sie einsetzen zu dürfen.

Precedenzfälle zeigen, wie gefährlich die lage ist
US-Sprinter Christian Coleman und Fred Kerley saßen wegen ähnlicher „Missing-Whereabouts“-Trips zweimal auf die harte Bank. Beide kassierten 24 Monate, später reduzierte der CAS Colemans Strafe auf 18 Monate. Die Fälle laufen unter US-Recht, doch das Signal ist eindeutig: Drei Mal nicht verfügbar – das reicht für das Maximum. Freigang muss nun beweisen, dass ihre „Missverständnisse“ keine Fahrlässigkeit waren, sondern echte Systembrüche.
Die Zahlen sprechen gegen sie: Leistungssportler in Deutschland melden sich pro Jahr durchschnittlich 280 Mal an. Wer dreimal nicht am angegebenen Ort ist, gilt als vorsätzlich fahrlässig. Der DFB muss nun prüfen, ob Freigangs Erklärung reicht oder ob er eine Präzedenz schafft, indem er eine Nationalspielerin schützt.

Wm-traum schmilzt, wück schweigt
Bundestrainer Christian Wück wollte sich nach dem 2:0 gegen Norwegen nicht äußern. Logisch – er kann sich keine weitere Eskalation leisten, kurz vor dem Qualifikationsfinale in Slowenien. Freigang steht weiterhin „auf Abruf“, aber ihre Chancen auf eine Rückkehr ins DFB-Aufgebot schrumpfen mit jedem Tag ohne Urteil. Die Spielerinnen feuern sich gegenseitig via WhatsApp an, doch das virtuelle Jubeln ersetzt keinen Platz im Kader.
Für Freigang bleibt nur Warten. Die NADA hat das Mikrofon abgegeben, der DFB das Wort. Und das Gericht surrt im Hintergrund. Und die Zeit läuft – für die Kapitänin und für Eintracht Frankfurt.
