Freiburg stoppt leverkusen mit wildem 3:3 – grifo schreibt geschichte

3:3, sechs Tore, 39 Schüsse, eine irre Achterbahnfahrt: Der SC Freiburg bremste Bayer Leverkusen aus der Champions-League-Zone und feierte sich selbst. Vincenzo Grifo schraubte sich mit seinem 105. Pflichtspieltor für die Breisgauer an die Spitze der ewigen Clubtorschützenliste – und traf genau den Nerv der Arena.

Christian streichs nachfolger julian schuster atmet durch

„Keiner hat heute bereut, hier zu sein“, sagte Julian Schuster, der Chefcoach, der nach dem 0:2-Frust in Frankfurt eine Reaktion forderte. Er kriegte sie – mit Zinsen. Freiburg spielte, als wäre Trainingsgelände und Stadion eins. Igor Matanovic bestätigt die These: „Wir hatten endlich wieder Rhythmus, weil wir trainieren konnten.“ Die Zahlen sprechen für sich: 22 Torschüsse für Freiburg, 17 für Leverkusen, ein offener Schlagabtausch, der keine Seite verdiente zu verlieren.

Doch das Resultat nagt. „Das i-Tüpfelchen fehlt“, sagte Schuster. 2:2 zur Pause, 3:2 in der 84. Minute – und dann Robert Andrich’ Fauststoß in der Nachspielzeit. Leverkusen jubelte, Freiburg stutzte. Schuster schluckt: „Gerecht ist es trotzdem.“

Vincenzo grifo trifft doppelt – und trifft joachim löw

Vincenzo grifo trifft doppelt – und trifft joachim löw

Grifo war Mittelfeldspieler, Torschütze, Rekordmann. Sein 2:1 war Kunststück und Historie zugleich. Petersen? Egal jetzt. „Ich bin stolz, zumal ich ja Mittelfeldspieler bin“, sagt er und grinst wie ein kleiner Junge. Im „Frühstücksladen“ kürte ihn niemand Geringerer als Joachim Löw: „Er lobte mich dafür, dass ich nicht nur auf Vorlage lauere.“ 83 Treffer hat der Ex-Bundestrainer für Freiburg erzielt – Grifo hat ihn abgehängt. Das ist keine Nebensache, das ist Stoff für Kurvengesänge.

Leverkusen dagegen zieht mit breiter Brust, aber schwerem Gepäck weiter. „Das war heute zu wenig“, sagt Andrich. Die Champions-League-Plätze rücken aus Sicht der Werkself in weite Ferne – drei Punkte Rückstand, ein Spiel mehr. Am Mittwoch wartet Arsenal, am Samstag der FC Bayern, dann London. Eine Woche der Wahrheit. Torwart Janis Blaswich versucht, Stimmung zu machen: „Wir müssen mit breiter Brust in diese Spiele gehen.“ Die Breite der Brust wird gemessen in Punkten. Momentan wirkt sie schmal.

Für Freiburg ist die Saison keineswegs gelaufen. Die Leistung war eine Kampfansage an alle, die nach Frankfurt dachten, der SC sei gelaufen. Matanovic sagt es so: „Ein bisschen mehr war heute drin.“ Das ist keine Beschönigung, das ist Auftakt. Der Europapokal ist noch greifbar – und mit Grifo an der Spitze der ewigen Liste hat der Sportclub wieder eine Geschichte, die über den 25. Spieltag hinausreicht.