Franziska preuß lässt könig harald v. strahlen – und lou jeanmonnot weinen
Oslo schlägt zurück. Während die Skijäger in Holmenkollen um Kugeln und Ranglisten zittern, steht eine Deutsche plötzlich im Mittelpunkt, die gar nicht mehr startet. Franziska Preuß, seit vier Wochen im Erfolgs-Ruhestand, bekommt genau das, was ihre aktiven Konkurrentinnen nicht kaufen können: ein Lächeln von König Harald V. und Tränen der Rivalin.
Die 29-Jährige flog nicht als Touristin nach Norwegen, sondern als Ehrengast mit zweierlei Mission. Erst nahm sie die Holmenkollen-Medaille entgegen – die höchste norwegische Skisport-Auszeichnung, verliehen vom Monarchen persönlich. Dann schlüpfte sie in die Rolle der heimlichen Kupplerin und reichte Lou Jeanmonnot die Kristallkugel für den Gesamtweltcup. Ein Akt, der die Französin vor laufender Kamera in Schluchzen ausbrechen ließ.
Ein könig, ein handschlag, keine show
„Ich glaube, ich treffe im Leben nicht noch einen König“, sagt Preuß im ZDF-Gespräch und lacht, als hätte sie gerade einen Bahnhofskiosk geerbt. Tatsächlich war das Protokoll straff: keine Rede, keine Fotoline, nur ein kurzer Shake-Hands im Palast. „Es ist nicht so viel Zeit eingeplant worden“, berichtet sie. „Aber es war schön. Als Deutsche dort zu stehen und eine Medaille vom König zu kriegen – das gibt’s nicht jeden Tag.“
Die Holmenkollen-Medaille ehrt nicht nur Leistung, sondern auch Charakter. Frühere Träger:innen: Marit Bjørgen, Ole Einar Bjørndalen, Magdalena Neuner. Preuß schreibt sich damit in ein Buch, das sie als Aktive nie hatte aufschlagen können. Ihre beste Gesamtweltcup-Platzierung: Rang zwei im Vorjahr. Jetzt, da die Punktejagd für sie erledigt ist, bekommt sie die Trophäe trotzdem – nur eben in Gold statt in Kristall.

Die szene, die alle vergessen macht
Die wahre Inszenierung folgt im Stadion. Kurz nach dem Massenstart der Damen betritt Preuß die Mixed-Zone, doch statt Mikrofon hält sie die 20-Kilo-Kugel. Jeanmonnot, noch atmend vom Zielsprint, erkennt ihre Kontrahentin vom Vorjahr – und bricht zusammen. Die beiden hatten sich 2025 in der vorletzten Kurve ein Duell auf Leben und Tod geliefert, Sturz, Staub, Platzwunde. Heute umarmen sie sich, 30 000 Zuschauer applaudieren sich in Tränen.
„Es ist einfach eine runde Sache nach dem, wie es im letzten Winter gelaufen ist“, sagt Preuß. „Ich freue mich echt für Lou. Sie hat es mehr als verdient.“ Für Jeanmonnot ist der Moment mehr als symbolisch: „Franzi hat mir gezeigt, dass man auch ohne Startnummer Größe beweisen kann.“

Startnummer weg, sport zurück
Während ihre ehemaligen Teamkolleginnen noch Sprint- und Staffeltermine im Kalender haben, trainiert Preuß wieder – nur ohne Piepston am Zaun. „Ich mache wieder wahnsinnig gerne Sport. Die Freude ist zurück“, sagt sie. „Das habe ich echt verloren in diesem Winter.“ Statt Schießtraining geht’s zur Rad-Runde um Pelkum, statt Leistungsdiagnostik gibt’s Familien-Kuchen. „Ich brauche keine Startnummer mehr und kann trotzdem jeden Tag sporteln. Das ist mehr wert als jede Kugel.“
Die Zahlen sprechen für sich: 13 Weltcup-Siege, 47 Podestplätze, eine Olympia-Bronze – und jetzt eine Medaille, die sie nicht herunterlaufen musste. Oslo war nicht ihr Abschied, es war ihre Premiere als Zuschauerin mit VIP-Pass. Wenn nächste Saison die ersten Wettkämpfe in Kontiolahti steigen, sitzt Franziska Preuß vermutlich auf der heimischen Terrasse, schaut ins Smartphone und lacht über die Neuigkeit, dass niemand ihre Punkte mehr jagen muss. Die Königin ist raus – und bleibt trotzdem auf dem Thron.
